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Ich bin Susanne und zufällig bei folgendem Gespräch - das ich hier
protokolliere - dabei. Mein Papa ist Wirtschaftswissenschaftler. Unsere
Nachbarn, Karl und Peter sind auf ein Plauderstündchen zu uns gekommen. Die
Männer fragen sich: Warum sie als Arbeitslose keinerlei Unterstützung bekommen
und warum wer Geld zurückgelegt oder eine private Renten- oder
Lebensversicherung angespart hat, bei der Arbeitslosenhilfe leer ausgeht. Karl
und Peter sind zwei Betroffene, die keine Arbeitslosenhilfe bekommen.
Karl sagt: Eine Sauerei ist das..
Papa fragt: Was, ... Karl ...
Peter: Seit wann bist Du ohne Arbeit, ... Karl?
Papa: Ach darum gehts..
Karl: Arbeitslos bin ich seit 2001. Rechnet man die Lehre mit,
war ich mehr als 25 Jahre ununterbrochen beschäftigt.
Papa: Du bekommst doch Geld vom Arbeitsamt..
Karl: Mein Arbeitslosengeld ist ausgelaufen. Ende August habe
ich Arbeitslosenhilfe beantragt und dummerweise angegeben, daß ich 'ne
Lebensversicherung habe. Deshalb sei die Bedürftigkeit nicht gegeben, sagte das
Arbeitsamt. Ich bin 45, Edeltraud ist 44 Jahre alt, zusammen sind wir 89.
Deshalb dürfen wir ein Vermögen von genau 17.800 Euro besitzen. Die
Kapitallebensversicherung, die wir zusammen vor 20 Jahren abgeschlossen haben,
hat einen Rückkaufswert von 25.996 Euro. Das sind 7.196 Euro zu viel. Ich krieg
deshalb keine Arbeitslosenhilfe.
Papa: Und wovon lebt Ihr?
Karl: Edeltraud versorgt mich. Das ist ganz schön demütigend.
Sie übernimmt auch Zinsen und Tilgung für unser Reihenhaus, das wir erst 1998
gekauft haben, wie Ihr wißt.
Papa: Müßt Ihr verkaufen?
Karl: Hoffentlich nicht. Ich habe einen großen Fehler gemacht.
Hätte ich meine Lebensversicherung in die Finanzierung der Immobilie eingebaut,
dann könnte ich jetzt Arbeitslosenhilfe bekommen, denn verpfändetes Eigentum
gilt für das Arbeitsamt als nicht verwertbar.
Peter: Bist Du krankenversichert?
Papa: Das wollt ich Dich auch grad fragen..
Karl: Ich muss mich selbst krankenversichern - für 125 Euro im
Monat.
Papa: Hast Du die Lebensversicherung aufgelöst?
Karl: Nein, das sehe ich nicht ein, die ist für unsere
Altersvorsorge gedacht. Sie läuft aus, wenn wir 60 sind. Für mich ist das
unbegreiflich. Alle reden von privater Altersvorsorge, Arbeitslose werden dafür
bestraft. Wenn ich das Geld auf den Kopf gehauen hätte, dann ging es mir
besser, dann bekäme ich Arbeitslosenhilfe.
Papa: Unterstützt Dich das Arbeitsamt denn in anderer
Hinsicht?
Peter: Ach, was..
Karl: Nein, da ich keine Arbeitslosenhilfe bekomme, erhält
auch kein Arbeitgeber einen Zuschuß, wenn er mich einstellt. Ich kann auch
keine Ich-AG gründen, ich bekomme kein Überbrückungsgeld, wenn ich mich
selbstständig mache. Ich bekomme auch keinen Vermittlungsgutschein für einen
privaten Arbeitsvermittler, den kriegen nur Arbeitslose, die Arbeitslosengeld
oder -hilfe erhalten.
Papa: Seit wann bist Du ohne Arbeit, Peter?
Peter: Seit Ende 2000. 34 Jahre habe ich gearbeitet.
Papa: Und wie sind Deine Erfahrungen bei der Arbeitssuche?
Peter: Deprimierend. Erst gestern habe ich mich als Fahrer
beworben. Als der Personalchef hörte, daß ich 51 bin, hat er gegrinst und
gemeint, eine Bewerbung sei zwecklos.
Papa: Bekommst Du finanzielle Unterstützung vom
Arbeitsamt?
Peter: Nee. Mein Arbeitslosengeld ist nach zwei Jahren
ausgelaufen. Dann wurde ich krank und habe Krankengeld bezogen.
Arbeitslosenhilfe habe ich jetzt beantragt, bekomme sie aber nicht.
Karl: Warum nicht?
Peter: Ich mußte beim Arbeitsamt meine Bankkonten offen legen.
Ich hab ja kein Wohneigentum wie Du und Karl, aber ein Sparbuch mit 20.000
Euro. Das ist zuviel.
Papa: Wovon lebst Du jetzt?
Peter: Ich esse meine Rücklagen auf und ich bin einem
Tauschring beigetreten. Ich wollte das Geld für mein Rentenalter festlegen.
Damit wollte ich die Rentenkürzungen, mit denen ja wohl zu rechnen ist,
ausgleichen, damit ich im Alter vernünftig Leben kann.
Papa: Verstehe..
Karl: Wie bist Du krankenversichert?
Peter: Weil ich keine Arbeitslosenhilfe bekomme, muß ich mich
auch selbst krankenversichern, das kostet knapp 130 Euro im Monat, damit ist
aber kein Krankengeld abgedeckt. Wenn es mir gesundheitlich wieder schlechter
gehen sollte, stehe ich ohne alles da.
Papa: Daß Arbeitslosigkeit krank macht, belegen verschiedene
Untersuchungen, Peter.
Peter: Hör bloß auf. Kann ich noch ein Bier haben?
Papa: Bedien Dich ...
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