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Medikamenten-Test für Kinder sind keine Pflicht
Medikamente für Kinder bringen der Pharmaindustrie nur bescheidene Gewinne. Ärzte greifen deshalb oft zu Präparaten für Erwachsene, die indes nie an jungen Menschen getestet wurden. Mit schlimmen Folgen: Viele der kleinen Patienten werden Opfer von Spätschäden und lebensgefährlichen Neben-wirkungen. Angesichts der Zustände mahnte eine EU-Richtlinie vor drei Jahren die Notwendigkeit von klinischen Arzneimittelstudien für Kinder unter besonderen Auflagen an - und setzte für die Umsetzung in nationales Recht eine Frist bis Mai 2004. Geschehen ist nichts.
Die Gesundheit wurde abgeschafft: "disease mongering" - das Handeln mit Krankheiten ist angesagt.
Systematisch erfinden Pharma und Ärzte neue Krankheiten. Mit Marketingtricks
werden Phänomene des normalen Lebens als krankhaft dargestellt. Die Behandlung
von Gesunden sichert die Profite der Industrie.
"Jeder gesunde Mensch ist ein Kranker, der es noch nicht
weiß." (Knock, Saint-Maurice )
Der Begriff "Sisi-Syndrom" tauchte 1998 in einer einseitigen Werbeanzeige auf.
Die betroffenen Patienten sind demzufolge depressiv und gegebenenfalls mit
Psychopharmaka zu behandeln. Inzwischen wird die Zahl der am Sisi-Syndrom
erkrankten Deutschen bereits auf drei Millionen geschätzt. Das Krankheitsbild
ist wissenschaftlich überhaupt nicht bewiesen. Die Medienpräsenz des
Sisi-Syndroms, darunter ein Sachbuch zum Thema, wurde von einer PR-Firma
lanciert, die von Pillendrehern beaufragt worden war.
Andere Pharmafirmen wiederum versuchen eine Krankheit bekannt zu machen, die
angeblich Millionen Männer im besten Alter heimsucht: das Aging Male Syndrome -
die Menopause des Mannes. Die Unternehmen haben alles in Gang gesetzt, um die
Wechseljahre des Mannes als ernst zu nehmende und weit verbreitete Erkrankung
bekannt zu machen. Auf Pressekonferenzen wurde der schleichende Verlust der
männlichen Hormonproduktion beklagt. Anlass für die Kampagne war die Marktreife
zweier Hormonpräparate.
Krankheitserfinder verdienen an gesunden Menschen, denen sie einreden, sie
seien krank. Was es auch ist - medizinische Fachgesellschaften,
Patientenverbände und Pharma machen in nicht enden wollenden Medienkampagnen
die Öffentlichkeit auf Störungen aufmerksam, die angeblich gravierend sind und
viel zu selten behandelt werden.
- "zwei Drittel der über 45-Jährigen sind infarktgefährdet", heißt es;
- "mehr als drei Millionen Bundesbürger leiden am chronischen Erschöpfungssyndrom", wird behauptet;
- "Die in Deutschland lebenden Menschen sind alle von Vitaminmangel betroffen";
- Jeder fünfte Familienvater, erkranke einmal im Leben am soeben entdeckten "Käfig-Tiger-Syndrom";
- 51 Prozent im Volke leiden unter "Refluxsymptomen (Sodbrennen) mit Beeinträchtigung der Lebensqualität", verkündet eine Ärztin;
- Rentner auf Mallorca sind reif für den Doktor: ihnen mache die "Paradies-Depression" zu schaffen;
- bedrohlich mutet die "Leisure Sickness" an, die pathologische Unfähigkeit zum Müßiggang;
- Die meisten werdenden Mütter in Deutschland gelten als risikoschwanger und die Zahl der Kaiserschnitte auf Wunsch steigt. Die Tage vor der Regelblutung und natürlich die Wechseljahre wurden medikamentalisiert: Jede vierte Frau über 40 schluckt in Deutschland Östrogenpräparate, obwohl ein Nutzen wissenschaftlich nicht erbracht werden kann.
Ist eine erfundene Krankheit erst einmal richtig angekommen, zahlen Patienten und Krankenkassen für Medikamente und Therapien. Kreislaufversagen, Lungenembolien und Schlaganfälle werden erst in der Gerichtsmedizin behandelt. Während die ausufernden Kosten das System überfordern, laufen die Geschäfte der Pharma prima.
Patentgeschützte Pharmaindustrie
Der Leser sollte sich die astronomischen Zahlen und den entscheidenden
Einfluss, den die Pharmaindustrie auf das Preisniveau von Medikamenten sowie
die Kosten des öffentlichen und privaten Gesundheitswesens ausüben, klar vor
Augen führen. Die in der Pharmaindustrie übliche Art der Betriebsführung hat
dazu geführt, dass eine Mehrheit zu Gunsten der Bereicherung einer Minderheit
verarmt, Ressourcen schlecht genutzt und der Wohlstand ungerecht verteilt
werden. Die meisten Probleme der öffentlichen Gesundheitssysteme und der
Kostenerstattung durch die Krankenversicherungen werden nur dadurch gelöst
werden können, dass die Regierungen eine verstärkte Preiskontrolle bei
Medikamenten ausüben. Diese Preiskontrolle liegt heute in Händen von
Pharma-Oligopolen.
Die Frage ist, ob genügend politischer Wille vorhanden ist. Werden unsere
Regierungen den übergeordneten Interessen der Bevölkerung den Vorzug geben oder
werden sie sich wieder einmal der mächtigen Lobby der multinationalen
Pharmaunternehmen und ihrer Aktionäre beugen. Der Leser sollte sich nicht
hinters Licht führen und von Opportunisten ködern lassen, die, um ein gutes
Geschäft zu machen, nichts unversucht lassen, im eigenen Interesse unsere
sozialen Besitzstände auszuhöhlen und unsere gemeinschaftlichen Instrumentarien
außer Kraft zu setzen.
Im Zuge der sogenannten Modernisierung des Staates, d.h. seiner Aushöhlung,
hat es besonders das öffentliche Gesundheitssystem getroffen. Die Hauptakteure,
die unsere sozialen Besitzstände abbauen wollen, haben in den letzten 20 Jahren
bereits in vielen Bereichen Erfolge erzielt: drastische Steuersenkungen für
Firmen und Wohlhabende, Privatisierung von Staatsunternehmen. Einschnitte in
Sozialprogrammen (Sozialhilfe, Erziehungsbeihilfe, Arbeitslosenversicherung
etc.), öffentliche Dienstleistungen (Erziehung, Verkehrsmittel), Privatisierung
öffentlicher Dienstleistungen (Autobahnen, Brücken, Luftverkehrskontrolle,
Wasser, Häfen, Flughäfen, Gefängnisse etc., Subunternehmer des öffentlichen
Dienstes (Post, Informatik, Wartung, Wachdienste etc.), Häufung von
Steuerschlupflöchern und Steueroasen und vieles mehr ...
Tatsache ist, dass der gesamte Bereich öffentlicher Dienstleistungen von
Geschäftemachern als das Huhn angesehen wird, das goldene Eier legt. Dieser
Bereich umfasst: Erziehung, Wasser- und Energieversorgung, Autobahnen,
Verkehrsmittel, Gefängnisse, Pflege von Gebäuden, Straßen, Parks, die Post und
das Gesundheitswesen, dessen rentabelsten Bereiche sie gerne privatisieren
würden, um dem Staat, wie üblich, die defizitären Teilbereiche zu überlassen.
Jedermann weiß, dass private Gesundheitssysteme notwendigerweise teurer sind
als öffentliche. Jede Privatisierung von Gesundheitssystemen führt zu
erheblichen Mehrkosten.
Arbeitgeber behaupten, dass private Krankenversicherungen billiger und
leistungsfähiger seien als öffentliche. Sie zitieren in diesem Zusammenhang
gern die USA, in denen fast alles privatisiert ist. Ihre Behauptung hält jedoch
keiner objektiven Faktenanalyse stand.
10.02.2003 | "In unserem Gesundheitssystem stimmt die Umverteilung von den Wohlhabenden zu den Armen nicht ... Gerade Menschen mit hohem Vermögen können sich leicht der solidarischen Verantwortung entziehen." Mit dieser Kritik will Professor Johann Eekhoff darauf aufmerksam machen, dass sich das um sozialen Ausgleich bemühte Gesundheitswesen immer weniger an den tatsächlichen Einkommens- und Vermögensverhältnissen orientiert. Der Kölner Ökonom und Gesundheitsexperte macht das in einem Gespräch mit der WELT an einem Beispiel deutlich: "Wer Vollzeit arbeiten muss, weil er keine anderen Einkünfte hat, unterstützt all diejenigen, die nur 20 Wochenstunden arbeiten, aber Vermögenserträge und zusätzliche Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit haben." Denn beide erhielten ja denselben Krankernversicherungsschutz. "In diesem System sind zu oft die Cleveren die Gewinner, deren Beiträge nicht ihrer Leistungskraft entsprechen."
22.01.2003 | Wenn es um die Gesundheit geht, dann bezahlen die Schweizer einen Mercedes, und sie fahren einen Mercedes. Die Briten bezahlen einen Golf und bekommen auch einen. Und die Deutschen? "Sie bezahlen einen Mercedes und bekommen einen Golf", lautet ein Bonmot aus der Ärztewelt. Der Vergleich versinnbildlicht den Zustand des Gesundheitswesens: teuer, aber nur Mittelklasse. (Alexander von Gersdorff, DIE WELT)
» Kassenbeiträge könnten zwei
Prozentpunkte niedriger sein: Viele Ausgaben im Gesundheitssystem
verursacht der Staat.
» Kassenbeiträge könnten sogar
sechs Prozentpunkte niedriger sein!
» Der Patient ist immer der
Dumme: Ein Film von Günter Ederer, dem wohl bekanntesten
Wirtschaftsjournalisten in Deutschland.
» Die Mitglieder der Krankenkassen
sind die Dummmen: Im Gesundheitswesen wird geschummelt, gefälscht,
manipuliert und betrogen, was das Zeug hält. Durch Betrug wird dem
Gesundheitswesen Geld entzogen, das für die Versorgung der Patienten nicht mehr
zur Verfügung steht. Dies trägt auch zur derzeitigen Finanzschwäche der
gesetzlichen Krankenversicherung bei.
- Rettungsdienste deklarieren harmlose Krankenfahrten als Notfalleinsätze - und
berechnen Kranken-kassen den viermal teureren Tarif.
- Mit einer Patientenchipkarte kann man betrügen, dass es nur so kracht.
Experten aus der Ärzteschaft, aus den Krankenkassen und aus der Politik wissen
das schon lange - dagegen getan wurde nichts, bezahlt wurde immer - Milliarden.
Es war und ist ja nur das Geld der Beitragszahler. Fast alle Krankenkassen
haben Mißbrauch und Betrug kleingeredet und geleugnet. Experten schätzen, daß
es mehrere Millionen frei vagabundierender Chipkarten in Deutschland gibt. Die
Krankenkassen, dafür verantwortlich, Mißbrauch mit der Versichertenkarte zu
verhindern, sind schlampig, wenn es um Ausgabe und Rückname der Karten geht.
2006 soll eine neue Chipkarte eingeführt werden, obwohl das schon heute möglich
wäre. Viel Zeit also, um mit Mißbrauch und Betrug weitere Milliarden der
Versicherten in dunkle Kanäle fließen zu lassen.
Alltag im Pflegeheim: Tod durch kriminelle Pflege
Tötung durch Unterlassen - Alltag im Pflegeheim, hieß es im ZDF-Magazin
Frontal 21 am 23. April 2002. Menschen gehen durch miserable
Pflege zugrunde. Das ist in deutschen Alten- und Pflegeheimen grausamer Alltag.
Der tägliche Horror in vielen deutschen Altenheimen: Hilflose Menschen liegen
Stunden in ihren Exkrementen, hungern, verdursten, erleiden unvorstellbare
Qualen. Rechtsmediziner müssen auch weiterhin bei Verstorbenen aus Heimen
schwerste Pflegefehler feststellen und ihre Diagnose wird dabei immer öfter
lauten: Tod durch kriminelle Pflege. Die UNO Menschenrechts-kommission hat die
Pflegesituation in Deutschland scharf kritisiert. Ihr Urteil: menschenunwürdig.
Deutsche Politiker scheinen nicht zuständig zu sein. Sie arbeiten in einer
Regierungsperiode von vier Jahren, davon drei nur für ihre Wiederwahl.
Die Intensivmedizin läßt Willenlose leiden. Die Altenpflege läßt Hilflose
verkommen. Nicht nur Politiker, auch die Gesellschaft verdrängt das grausige
Geschehen in Kliniken und Pflegeheimen.
Was ist das Ziel?
Soll der "Lugano Report" [ 1 ] von Susan George zur Wahrheit werden?
Milliarden-Markt Altenpflege
21.03.2004 | 14 Millionen deutsche Rentner, zwei Millionen davon sind Pflegefälle und täglich werden es mehr. Altenpflege in Deutschland ist ein hochlukrativer Markt, einer mit zweistelligen Wachstumsraten Jahr für Jahr. 34 Milliarden Euro geben die Deutschen derzeit für Pflege aus. 2020 dürfte es doppelt so viel sein; Bis 2050 werden Umsätze von 200 Milliarden und mehr Euro erwartet. Ein gefundenes Fressen für Investoren. Konzerne bringen sich in Stellung. Der erste Amerikaner ist schon da, dafür glaubt man in der Branche, sichere Indizien zu haben. Sunrise Assisted Living dürfte vor wenigen Wochen rund zehn Heime in deutschen Großstädten eröffnet haben, allein drei davon in Hamburg. (WamS)
Das Kartell
Unser deutsches Gesundheitssystem ist teuer und ungerecht, ineffizient und
intransparent. Der Beitragszahler hat vor allem Opfer zu sein. Kein anderes
europäisches Land gibt so viel Geld für Leistungen (auch für überflüssiges) im
Gesundheitswesen aus wie Deutschland und in keinem Land werden Kranke bei
Beiträgen in Rekordhöhe so schlecht versorgt. In keinem anderen Land versickert
soviel Geld wie bei uns, kein Land ist so korrupt wie Deutschland.
Verordnungsbetrug ist gängige Praxis. Das angeblich solidarische System wird
nicht nur unsolidarisch finanziert, nein, viel zu viele - wie etwa Beamte und
Selbstständige werden gar nicht erst zur Finanzierung des Gesundheitssystems
herangezogen. Dazu kommt noch, daß auf Surplus aus Vermietungen, Verpachtungen,
Aktiengeschäften und Kapitalerträge keine Beiträge bezahlt werden.
Gegen die mächtige Gesundheitslobby und gegen den eigenen Beamtenapparat ist
kein Kraut gewachsen. Jede Regierung geht deshalb den bequemsten Weg, und der
heißt "Flicken" oder "Nichts-tun".
Pflegeversicherung
Manche Behauptungen werden von Politikern nur deshalb richtig genannt, weil
sie falsch sind! Beispiel Pflegeversicherung: Bundestagsabgeordnete aller
Parteien behaupten, in deutschen Heimen sei die Pflegequalität gut. Auch die
Bundesregierung sagt, daß Heimbewohner in der Regel auf einem hohen Leistungs-
und Qualitätsniveau versorgt werden. In Pflegeheimen grassieren Hunger und Tod
behauptet der Europarat in Straßburg. Der UN-Ausschuss für wirtschaftliche,
soziale und kulturelle Rechte übt heftige Kritik an der Pflegesituation in
Deutschland. Bis zu 85 Prozent der Heimbewohner seien unterernährt, weil das
Personal nicht genügend Zeit habe, sie zu füttern oder weil das Essen
ungeeignet sei. Jeder Dritte leide an Austrocknung, weil zu wenig Flüssigkeit
verabreicht werde. Unruhige Patienten würden mit Psychopharmaka ruhig gestellt,
weil das Personal keine Zeit für Zuwendung habe.
Der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenversicherung (MdS) hat
inzwischen mehrere tausend Heime geprüft und kommt zu erschreckenden
Ergebnissen. In 5 Prozent der Einrichtungen ist die Versorgung so schlecht, daß
Bewohner ihr Leben riskieren. 40 Prozent arbeiten allenfalls ausreichend, nur
10 Prozent pflegen gut. Pflegeskandale sind, das macht der MdS in einem Papier
für die Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Bundestag klar, keine
Einzelfälle, sondern weisen auf strukturelle Defizite in der Pflege hin. Mit
Phantompersonal steigern die Heimbetreiber ihren Surplus zum Doppelsurplus.
Leistungsnachweise und Ausgabenbelege werden von den Kostenträgern nicht
verlangt, das Geld der Beitragszahler versickert. Das von der Bundesregierung
verabschiedete Qualitätssicherungsgesetz ist ein Witz.
Inzwischen sprechen Experten von soziale Euthanasie. Heime seien rechtsfreie
Räume, in denen das Grundgesetz schon längst nicht mehr gelte.
Freiheitsberaubung sei an der Tagesordnung. Justizia ist blind.
Die Pflegeversicherung geht auf dem Zahnfleisch. Derzeit finanziert sich die
Pflegeversicherung aus ihren Rücklagen.
Mißbrauch, Korruption und Betrug im Gesundheitswesen
Die Intransparenz in unserem deutschen Gesundheitswesen fördert Mißbrauch,
Korruption und Betrug. Milliarden gehen dem Gesundheitssystem durch kriminelle
Machenschaften verloren. Anstatt einseitig die Leistungen der gesetzlichen
Krankenversicherung einzugrenzen, sollte die Politik Mißbrauch bekämpfen und
die Patientenrechte stärken.
Abrechnungsbetrug begehen nicht nur Ärzte und Apotheker, sondern auch Pharma
und Verbraucher. Die Möglichkeiten reichen von kleinen Unkorrektheiten bis zu
korrupten Netzwerken. So rechnen beispielsweise Ärzte nicht erbrachte oder
nicht medizinisch notwendige Leistungen ab oder überweisen Patienten gegen
Provision an Kollegen. Apotheker berechnen Originalpräparate, geben aber nur
Reimporte an die Verbraucher ab. Sie fälschen Mengenangaben auf Rezepten oder
verkaufen Waren aus dem grauen Arzneimittelmarkt, der inzwischen eine
Größenordnung von 250 Millionen € erreicht haben soll. Dabei handelt es
sich um Medikamente, die beispielsweise an Hilfsorganisationen gespendet
wurden, aber nie ans Ziel gelangten. (Transparency International)
Der Pharma werfen Verbraucherverbände vor, den Preiswettbewerb durch Bestechung
von Generika-Herstellern zu verhindern oder zu verzögern sowie Kunden durch
überzogene oder falsche Heilversprechungen zu täuschen. Die klinische Forschung
sei durch Sponsoren korrumpiert, Studien dienten eher Marketingzielen als dem
wissenschaftl. Erkenntnisgewinn und würden zudem häufig von den Kassen
finanziert. Die Versicherten tauschten ihre Rezepte oder illegal beschaffte
Ersatzrezepte in der Apotheke gegen Bargeld oder Kosmetika ein, verliehen ihre
Chipkarten gegen Bares, nötigten Ärzte, unwirtschaftliche Lifestyle-Medikamente
zu verordnen, oder Apotheker, Rezepte auch ohne Gegenleistung zu quittieren, um
von der Versicherung die Kostenerstattung zu erschleichen.
Um den Mißbrauch zu verhindern, fordern Verbraucherschützer Leistung und
Gegenleistung zu dokumentieren und die Transparenz aller Dienstleistungen zu
erhöhen. Wissenschaftler, Fachjournalisten und Arzneimittelhersteller müßten
sich strengen Verhaltensregeln unterwerfen, die Fortbildung der Ärzte müsse dem
Einfluß der Pharmaindustrie entzogen werden.
Um Schäden durch falsche Medikamente zu reduzieren, sollten Verbraucherschützer
mehr Einblick in die Studien der Hersteller erhalten. Außerdem müßten die
finanziellen Verflechtungen zwischen Medizinern und Pharmaindustrie offengelegt
werden.[onClick]
Gesundheitspolitik folgt immer mehr den Interessen der Pharmaindustrie
07.09.2001 Pressemitteilung von Monitor! Pillen und Salben kosten Kassen mehr
als ärztliche Versorgung. Da stimmt doch was nicht!
Das 2,5 Milliarden-Loch der Krankenkassen, das Bundesgesundheitsministerin Ulla
Schmidt letzte Woche einräumen mußte, könnte allein durch Einsparungen bei
Arzneimitteln ausgeglichen werden. Das ergibt sich aus einer noch
unveröffentlichten Untersuchung der Universität Heidelberg, die MONITOR
vorliegt. Insgesamt errechnet die Studie mit dem Titel
"Arzneiverordnungs-Report 2001" Einsparmöglichkeiten von über 4 Milliarden
€, die von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt sofort umgesetzt
werden könnten: Zum Beispiel belasten sogenannte Schein-Innovationen die
Krankenkassen jedes Jahr unnötig mit 1,2 Milliarden €. Dabei handelt es
sich um Medikamente, die als Schein-Neuheit zwar sehr teuer verkauft werden,
die jedoch für die Behandlung der Patienten therapeutisch nichts Neues bieten.
"Wenn man diese Mittel durch bewährte Arzneimittel der gleichen Wirkung
austauschen würde, könnte man pro Jahr 1,2 Milliarden € einsparen",
erklärte einer der Autoren der Studie, der renommierte Professor Ulrich Schwabe
wörtlich. Weitere 1,5 Milliarden € könnten die Kassen - so die Studie -
bei den sogenannten Nachahmerpräparaten (Generika) sparen: Da die Pharmafirmen
mittlerweile auch viele teure Generika anbieten, müsste die Ministerin die
Ärzte dazu zwingen, nur noch besonders preisgünstige Generika zu verordnen.
"Diese Produkte sind qualitativ absolut vergleichbar mit den teureren Generika
und mit den Originalpräparaten", erklärte Schwabe gegenüber MONITOR. Weitere
1,35 Milliarden € Arzneimittelkosten ließen sich außerdem noch vermeiden,
wenn die in ihrer Wirksamkeit "umstrittenen Medikamente" durch eine
Positivliste vom Markt kämen.[onClick]
07.09.2001 Gewinnspanne der Apotheken riesig
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) will jetzt offenbar die
Gewinnspanne der Apotheken beschneiden, denn der Arzneimittelvertrieb ist in
Deutschland ein Fossil. Der Verkauf läuft im Rahmen eines staatlich geschützten
Monopols ab. Man müsse sich die Arzneimittelpreisverordnung genau ansehen,
sagte sie am Mittwoch in Berlin. Diese gewährt den Apothekern je nach
Herstellerpreis garantierte Zuschläge von 30 bis 68 Prozent. Für die
Arzneimittelpreisverordnung ist Wirtschaftsminister Werner Müller zuständig.
Dieses Paragrafenwerk definiert die Verdienstspanne der Apotheker und sichert
ihnen Zuschläge von 68 Prozent - bei Medikamenten mit einem Herstellerpreis von
unter 1,2 € - und bis 30 Prozent bei Präparaten - die mehr als 35 €
kosten - zu.
Wenn die Ministerin und ihre Beamten ihre Arbeit machten, dann wären sie schon
früher auf dieses Unding gestoßen. Wenn die Ministerin nun glaubt, sie könne
mit Seehofer an diesem Paragrafenwerk herumschrauben, so wird sie erleben, daß
Bundeskanzler Schröder das ganz schnell zur Chefsache macht um das zu
verhindern.
Fragwürdige Rezepte von SPD und UNION im Gesundheitswesen
Bei der SPD mehren sich die Stimmen, den Versicherten mehr Eigenleistungen
abzuverlangen. Man meint: mit dem Herumdoktern an Symptomen komme man nicht
weiter. Nach dem Vorbild der Riester-Rente sollten Versicherte bereit sein
einen höheren Eigenbeitrag zu leisten. Ergänzende Leistungen sollen die
Versicherten in Eigenverantwortung abdecken. Reaganthatcher Schröder beschwor
im Bundestag eine Politik der "ruhigen Hand" - die Hand natürlich so tief wie
irgend möglich in den Taschen der Bürger.
Union und FDP rufen ebenfalls nach mehr Eigenverantwortung und empfehlen für
die breite Masse nur noch eine abgemagerte Grundversorgung. Wer mehr Leistungen
möchte, soll die aus der eigenen Tasche zahlen. Erneut wird der Rezeptblock
gezückt und kurzerhand die Abschaffung der solidarischen Krankenversicherung
verordnet.
Kosten könnten gesenkt werden
Die Kosten im Gesundheitswesen könnten gesenkt, die Krankenkassen enlastet
werden, wenn die Verantwortlichen nur wollten. Das ist möglich ohne finanzielle
Belastung der Kranken und ohne Beitragserhöhung für Arbeiter und Angestellte.
Dazu müßte man Pharmakonzernen und Hersteller medizintechnischer Geräte und
Apparate, die mit unvorstellbar hohen Gewinnspannen arbeiten auf die Füße
treten. Das aber wird man schön sein lassen. Bei Schröderisten ist Flickwerk
angesagt, außerdem ist es einfacher die Kosten auf die Trottel der Nation
abzuwälzen. Durch die Überwindung der starren Trennung von ambulanter und
stationärer Behandlung könnten Krankheitskosten gesenkt werden, kostspielige
Doppeluntersuchungen vermieden werden. Warum muß der Staat die soziale
Krankenversicherung mit Kosten für Fremdaufgaben und mit der vollen
Mehrwersteuer belasten; eine Halbierung der Mehrwertsteuer nur und die
Kostendebatte wäre vom Tisch. Allerdings, wer soll garantieren, dass ein
halbierter Mehrwertsteuersatz für Arzneimittel von den Herstellern nicht durch
erhöhte Preise teilweise kassiert wird? Dann wäre es schon sinnvoller, in einer
Radikalkur die Handelsspannen der Apotheken zu verkürzen, höhere Zuzahlungen
von Patienten zu verlangen, die auf teure Originalpräparate bestehen, und das
ohnehin auslaufende Sterbegeld ganz abzuschaffen.
Seit ewigen Zeiten ist bekannt, daß in der Bundesrepublik erzeugte Medikamente
im Ausland zu einem weit geringerem Preis als bei uns angeboten werden und der
Arzneimittelmarkt der Bundesrepublik förmlich mit Arzneimittel überschwemmt
wird, deren Wirksamkeit umstritten ist. Wozu brauchen wir mehr als 150.000
Medikamente, wenn man in skandinavischen Ländern und anderswo mit maximal 2.500
auskommt [ 2 ]. Wenn
Arznei in der Bundesrepublik nur fünfmal -statt zehnmal so teuer wäre als in
Österreich oder Frankreich, wäre die Debatte vom Tisch. Einsparungen in einer
Höhe von 50-75 Milliarden € wären durchaus denkbar. Schröderisten wissen
das, würden sich aber eher mit dem Teufel anlegen, als mit der
Pharma-Industrie.
In seinem jüngsten Gutachten hat der Sachverständigenrat im Gesundheitswesen
unterstrichen, daß in Deutschland ein Viertel der Ausgaben durch bessere
Prävention vermieden werden könnte. Von den 125 Millionen, die die Kassen
jährlich für ihre Versicherten zahlen, könnten somit um die 30 Milliarden
€ eingespart werden. Wo das Geld zum Fenster hinausgeschmissen wird, ist
bekannt.
So verursacht die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit erhebliche Ausfälle auf der
Einnahmenseite. Mit sinkender Beschäftigung und sinkenden Löhnen wird die Basis
für die Kasseneinnahmen immer dünner. Die Bundesrepublik war im vergangenen
Jahr das einzige Land in der EU, in dem Arbeitnehmer Reallohnverluste hinnehmen
mußten.
Die großen Versprechungen der Sozialdemokraten
Mit großen Versprechungen sind die Sozialdemokraten einst in den Wahlkampf gezogen: Zuzahlungen für Medikamente und Arztbesuche sollten verringert, die Qualität der Versorgung verbessert, die Abgaben gesenkt werden. Nun steigen die Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung wieder. Das selbst gesteckte Ziel, die Abgabenlast unter vierzig Prozent der Bruttolöhne zu senken, werden die Schröderisten wohl nicht erreichen. Die Gesundheitsexperten der SPD-Fraktion würden gern den Mehrwertsteuersatz für Arzneimittel halbieren oder Leistungen wie das Mutterschaftsgeld vom Steuerzahler finanzieren lassen - an die viel zu hohen Kosten für Arznei trauen sie sich nicht heran. Gegen beide Ansätze wehrt sich Finanzminister Hans Eichel erfolgreich.
[ 1 ] ... weil nicht
genug Platz für alle Menschen ist, formuliert die Kommission einen
ungeheuerlichen Vorschlag: Der globale Kapitalismus sei nur zu retten, wenn die
Weltbevölkerung ... reduziert wird. Da die Genozidsysteme der Vergangenheit zu
primitiv, kostspielig und ineffizient waren, muß eine andere Lösung her. Die
moderne Opferselektion soll nach Kriterien wie ... kurz: Verlierertum erfolgen.
Kriege, Seuchen und Hungersnöte sollen den Vernichtungsprozeß beschleunigen.
Die Kommission befürwortet beispielweise das Hungerproblem der Dritten Welt
nicht zu lösen, sondern es zu fördern. Weitere Vorschläge umfassen eine
präventive Senkung der Geburtenrate in Verbindung mit einer drastischen
Erhöhung der Sterberate, um einer Verschwendung der raren ... Ressourcen
entgegenzuwirken. Als geeignete Instrumente empfehlen sich ...
Die detailliert entworfenen "Lösungsstrategien" im zweiten Teil des Buches von
Susan George steigern sich letztlich in eine neue Form der "Endlösung". Als
Mittel zur Durchsetzung dieser "Biopolitik" wird die schon heute praktizierte
Realpolitik raffiniert betrieben.
[ 2 ] Nach Ansicht der WHO sind lediglich 240 Medikamente und nach Ansicht von Professor Georges Peters (Schweizer Pharmakologe) 320 Arzneimittel nötig, um 99 Prozent aller Erkrankungen zu heilen. Quelle: Brot für die Welt
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