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Wasser

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Die Kriege der Zukunft werden um Wasser geführt

Wasser ist ein wichtiger und notwendiger Grundstoff des alltäglichen Lebens eines jeden Menschen und Wasser ist gleichzeitig ein nicht weniger bedeutender Grundstoff mächtiger Industriekonzerne. Diese eignen sich die Wasservorkommen der Erde auf folgende Weise an: durch Wasser-Bergbau in Gebieten mit großen Grundwasservorkommen oder durch intensive Ausbeutung der Flüsse und Ströme dieser Welt; durch das Leasen von staatlichen Wassersystemen und Abwasseraufbereitungsanlagen; durch das Managen städtischer Wassersysteme. Das ist die hinterhältige Seite der Globalisierung unter den westlichen Regierungen und kapitalistischen Unternehmen. Privatisierung bedeutet: sich das gemein- schaftliche Erbe der Natur anzueignen um daraus Kapital zu schlagen. Regierungen müssen zentrale staatliche Dienstleistungen privatisieren und dann wird Wasser Teil der Lebenshaltungskosten.
Experten sagen, daß künftige Kriege nicht um Öl, sondern um Wasser geführt werden. Denn es ist viel kostbarer.

Lamy will europäischen Wassersektor liberalisieren

Der EU Handelskommissar Pascal Lamy stellt in einem Interview klar, daß auch die EU ihren Wasser- sektor liberalisieren will - ganz im Gegensatz zu allen bisherigen Behauptungen! In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am 10.3.03 äußerte er sich folgendermaßen (Auszug):

SZ: Die Wasser-Versorgung ist für jeden Staat besonders sensibel. Haben Sie Vorschläge gemacht, den Wassermarkt in Europa zu öffnen? Hat es Anfragen aus anderen Ländern gegeben?

Lamy: Wir haben keine Anfragen. Aber ich mache Angebote. Weil ich ein Interesse daran habe, dass die Wasserversorgung geöffnet wird.

Wasser ist eine teure Ware

Bis zum Jahr 2015 - so haben Staats- und Regierungschefs noch einmal auf dem Johannesburger Weltgipfel im September 2002 in Johannesburg bekräftigt - soll die Zahl der Menschen halbiert werden die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Wasser ist ein knappes und damit teures Gut, das mittlerweile immer mehr Unternehmen, etwa die französischen Konzerne Suez und Vivendi oder die deutsche RWE entdecken. Für den Verbraucher aber ist es nicht immer von Vorteil, wenn die Wasserversorgung von der Kommune zu privaten Firmen wechselt. Das zeigt das Beispiel Großbritannien, wo man schon lange weiß, daß mit Wasser viel Geld zu verdienen ist.

Die Wasserindustrie wurde 1989 privatisiert, jedenfalls in England und Wales. In Schottland und Nord- irland blieb sie staatlich. Die neuen Unternehmen machten in den ersten sieben Jahren Riesenprofite, sie griffen den Verbrauchern tief in die Taschen - ohne zu investieren. 1990 - ein Jahr nach der Privatisierung - wurden in England und Wales 2.756 Ruhr-Fälle gezählt, im Jahr darauf waren es schon 9.935. Die Zahl der Haushalte, denen das Wasser abgestellt wurde, hatte sich im gleichen Zeitraum verdreifacht: von 7.273 Fällen im Jahr 1990 auf 21.586 Fälle ein Jahr später.

Die deutsche Wasserwirtschaft vor der Privatisierung, Deregulierung und Liberalisierung

Nach dem Energiemarkt soll nun auch der Wassermarkt liberalisiert werden. Das Bundeswirtschafts- ministerium ist dabei, den deutschen Wassermarkt privaten Kapitalverwertungsinteressen zu öffnen. Gleichzeitig sollen im Rahmen einer Flurbereinigung aus 6500 Wasserwerken marktbeherrschende Wasser-Multis entstehen. Deutsche Wasserunternehmen sollen künftig auf dem Weltwassermarkt gegen die übermächtige Konkurrenz aus Frankreich, Großbritannien und den USA konkurrieren. Im nächsten Jahrzehnt wird der Jahresumsatz auf dem Weltwassermarkt auf 500 Milliarden US-Dollar ge- schätzt. Von dem Kuchen will sich die deutsche Wirtschaft ein Stück abschneiden. Die Umwandlung von Wasser in möglichst viel Geld auf einem privatisierten und liberalisierten Wassermarkt könnte für Wasserkonsumenten und Ökologie teuer werden.

Die Süßwasserreserven der Welt schwinden

"Die Kriege der Zukunft werden um Wasser geführt" - das prophezeit der ehemalige UN-Generalsekretär Boutros Gali. Viele wasserarme Staaten schauen gierig auf die Reservoire ihrer Nachbarn und sind nicht abgeneigt, für Süßwasser notfalls einen Konflikt vom Zaun zu brechen. Zumal Wasser besonders in den Regionen fehlt, in denen die Bevölkerung noch immer wächst. Bereits 1995 warnte der Vizepräsident der Weltbank, Ismail Serageldin, daß die Kriege des 21.Jahrhunderts nicht mehr um Öl, sondern um Wasser geführt werden.
An Euphrat und Tigris, am Nil, am Jordan und am Ganges ist die Gefahr einer Krise besonders hoch. Was geschieht, wenn sich der Irak und Syrien gegen die türkischen Wasserbauprojekte zur Wehr setzen, die beiden Staaten das Wasser abgräbt? Von Spannungen zwischen den Regierungen hört man seit Monaten. Zu welchen Maßnahmen sähe sich Ägypten gezwungen, wenn der Sudan seine Drohung wahrmachte, dem Nachbarn das Wasser des Nils zu verweigern? Immerhin lebt Ägypten zu 97 Prozent von seinem größten Fluss. Werden Syrer, Jordanier und Palästinenser friedlich bleiben, wenn Israel die Wasser des Banias', Hisbanis und des Jordans weiterhin hauptsächlich für sich in Anspruch nimmt? Israelische Siedler verbrauchen im Schnitt bis zu 350 Liter täglich. Palästinensern steht nur ein Zehntel dieser Menge zur Verfügung. Von den rund 650 Millionen Kubikmeter erneuerbaren Grundwassers des Westjordanlandes, die jährlich genutzt werden, verbraucht Israel 80 Prozent.

Die Süßwasserreserven der Welt schwinden und die Weltbevölkerung wächst weiter. Schon jetzt haben mehr als 80 Länder der Erde, in denen nahezu 4 Milliarden Menschen leben, Schwierigkeiten, ihre Menschen mit Trinkwasser zu versorgen. Trinkwasser ist mehr als ungleich verteilt: Während es im reichen Norden nur so sprudelt und vergeudet wird, wollen in vielen Regionen der Welt die trockenen Jahre kein Ende nehmen. Zwei Drittel der Landfläche Afrikas sind ökologisch gefährdete Trockengebiete oder Wüsten. Die Fläche der durch Übernutzung, Überdüngung, Rodung und durch mangelhafte Bewässerung geschädigten Böden nimmt ständig zu. Um Bewässerungssysteme zu speisen, Trink- wasser und Energie zu liefern, bauen China, die Türkei und Indien Staudämme. Diese Projekte sind umstritten. Das Problem der Wasserbeschaffung und -verteilung hat in wasserknappen Regionen wie etwa dem Nahen Osten politische Brisanz. Wenn ein Land zuviel vom Wasservorrat wegnimmt, haben die Nachbarn weniger davon. Obwohl zwei Drittel der Erdoberfläche von Wasser bedeckt ist, wird das Problem der Trinkwasserversorgung eine der größten Herausforderungen an die Menschen des 21.Jahr- hunderts sein.

In Zeiten der Globalisierung greifen international tätige Konzerne nach den Trinkwasserquellen in Europa. In Deutschland hat ein Ausverkauf der Quellen und der Wasserwerke begonnen. Deutsche Politiker verscherbeln heimisches Wasser, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, was das für Folgen hat. Konzerne wollen Profit machen und deshalb heben sie zu allererst die Preise an.

Die Wassergesellschaft einer südafrikanischen Provinz drehte nach der Privatisierung denen, die zu arm waren, ihre Rechnungen zu bezahlen, die Hähne zu. Als die Menschen daraufhin verschmutztes Fluß- wasser tranken, brach eine Choleraepidemie aus.

In der argentinischen Provinz Tucuman stiegen die Wasserpreise nach der Privatisierung um 104 Prozent.

In Ghana zwangen Weltbank und Währungsfonds die Regierung, die Subventionierung der Wasser- preise aufzugeben und eine Privatisierung der Wasserversorgung vorzubereiten. Der Wasserpreis verdoppelte sich.

Im kanadischen Vancouver wurde im Sommer 2001 die Privatisierung der regionalen Wasserwerke von einer Organisation namens Water Watch gestoppt.

In Cochabamba, der drittgrössten Stadt Boliviens, wurde im Frühjahr 2000 das städtischen Wasser- unternehmen an den US-Konzern Bechtel verkauft. Auch hier stiegen die Preise. Es formierte sich Widerstand. Es kam zu Massenprotesten, die Polizei antwortete mit Tränengas, Gummigeschossen und schließlich mit scharfer Munition. Die Regierung verhängte den Ausnahezustand, Gewerkschafter und Gemeindesprecher wurden verhaftet und verbannt. Fünf Menschen starben nach Angaben von amnesty international bei diesem mehrwöchigen Krieg um Wasser. Die Konzerne, die nach Bolivien kamen, brachten kein eigenes Geld mit. Sie investierten das, was sie den Verbrauchern abnahmen.

Die Unprivatisierbarkeit des Wassers muß für die ganze Welt festgeschrieben werden. Unser Blauer Planet besteht nur zu einem Tausendstel aus Wasser.

Die Wasserwirtschaft wittert ein Milliardengeschäft

Giganten, Transnationale Konzerne, versuchen die Kontrolle über die Grundlagen allen Lebens in ihre Hände zu bekommen. Die lebenswichtige Ressource Wasser soll nicht mehr in der Hand von Gemein- wesen sein und jedem Menschen via Menschenrecht zur Verfügung stehen, sondern soll zu einem Handelsgut werden, das von privaten Firmen kontrolliert und verkauft wird. Transnationale Konzerne versuchen in Zusammenarbeit mit der Weltbank und der Welthandels-Organisation (WTO), das Trink- wasser zu privatisieren und auf dem freien Markt als Handelsware anzubieten.

Wasser wird knapp, seine Qualität ist gefährdet - weltweit. Private Wasserversorger teilen sich den Weltmarkt. Zwei französische Konzerne sind zu nennen: Vivendi Environnement, ehemals Générale des Eaux, und Suez Lyonnaise des Eaux kümmern sich schon heute um das Trink- und Abwasser von jeweils mehr als 100 Millionen Menschen rund um den Globus. An dem Geschäft wollen natürlich auch deutsche Unternehmen teilhaben. E.on-Tochter Gelsenwasser (engagierte voriges Jahr die ehemalige Grünen-Sprecherin Gunda Röstel als Lobbyistin), und der RWE-Konzern, im Wassergeschäft weltweit die Nummer drei, kauften das Londoner Unternehmen Thames Water. Neuerdings sind die RWE auch in den USA, Chile, der Türkei, Australien, Ägypten, Thailand und Singapur in Sachen Trinkwasser aktiv. Die Wasserwirtschaft steht vor einem Milliardengeschäft.

LONDON, JAKARTA, BERLIN, BUENOS AIRES Rund um den Globus ist die Privatisierung des Wassers ein Fiasko - und soll trotzdem fortgesetzt werden (PDF-Datei)

Kriege um Wasser (PDF-Datei)

Machen die Unternehmen Geschäfte mit der Armut? In Mexico City gießen die Reichen ihre Gärten mit (fast) kostenlosem Wasser. Die Armen müssen sich ihr Trinkwasser in der Flasche kaufen.
Viele Wasserversorger arbeiten schon heute mit Entwicklungshilfeorganisationen zusammen, um allen, Arm und Reich, Trinkwasser zum gleichen Preis zu verschaffen. Schlimm, wer schlechtes dabei denkt: Unternehmen sind wahre Meister darin, Fördergelder auf ihre Konten umzulenken. Bereitwillig hilft ihnen dabei die Politik.

Fällt erst das Gebietsmonopol der 7000 kommunalen Trinkwasserver- und Abwasserentsorger in Deutschland - wie es die Regierung plant - steigen Privatunternehmen ein. Die Franzosen sind bereits präsent. Vivendi Environnement teilt sich seit gut zwei Jahren mit RWE die Berliner Wasserbetriebe. Die Lyonnaise, mit Thyssen/Krupp über das Unternehmen Eurawasser verbandelt, versorgt bereits Goslar, Potsdam, Leuna, Güstrow und Rostock. Wassergiganten wie Vivendi und RWE sehen sich als Umweltdienstleister.

Zu verschmutztem Trinkwasser gesellt sich heute die verschmutzte Atemluft, verschmutzt z.B. durch Flugbenzin, ohne daß die Verursacher dafür bezahlen müssen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Giganten beginnen saubere Luft gewinnbringend zu verkaufen, denn wir leben bereits mit dem Tod vom Allerfeinsten: Schwebstäube . Die Politik mißachtet Warnungen der Umweltmediziner bis zur Katastrophe. Politiker reagieren immer erst nach Katastrophen, man denke nur an BSE und neuerdings an die Lungenseuche SARS.

Die Ressource Wasser wird zu einem äußerst knappen Gut

Mit Wasser wird umgegangen, als sei es im Überfluß vorhanden. Schwermetalle aus der Industrie, Abwässer von Haushalten und Agrargifte aus der Landwirtschaft geraten in Flüsse, Seen und Grund- wasser. 70 Prozent des weltweiten Wasserverbrauchs geht auf die Landwirtschaft zurück. Und gerade in diesem Bereich wird viel Wasser verschwendet. Immer mehr Swimmingpools und Golfplätze treiben den Verbrauch in die Höhe. Aber nur 2,5 Prozent des Wassers auf der Erde ist Süßwasser, und davon ist nur ein Bruchteil für den Menschen verfügbar. Die Verknappung durch Vergeudung, Verschmutzung und wachsende Nachfrage verschärft sich. Es drohen Hunger- und Umweltkrisen, wirtschaftlicher Niedergang, Kriege und Konflikte. Missmanagement, Korruption und eine geringe Zahlungsmoral für Wasser, besonders der Reichen und der Mächtigen, verschlimmern die Situation. Ägyptische Politiker sprechen seit 20 Jahren davon, daß die Kriege der Zukunft Kriege um Wasser sein werden. Das ist kein Zufall, da in Ägypten alles davon abhängt, daß seine Nutzung des Nilwassers nicht eingeschränkt wird. Ägypten unterhält sogar Militäreinheiten, die auf die Verteidigung des Nilwassers spezialisiert sind. Die USA nutzen den Rio Grande in einer Art und Weise, daß für Mexiko kaum was übrig bleibt. Als die Türkei 1990 den Stausee des neu erbauten Atatürk-Dammes füllte, floss der Euphrat hinter der Stau- mauer nur noch als Rinnsal. Irak und Syrien bezogen vorher fast 90 Prozent ihres fließenden Wassers aus diesem Fluß. In den vergangenen 50 Jahren wurden die Wasservorkommen in immer größerem Umfang ausgebeutet. In Zukunft wird es um die Verteilung der immer knapper werdenden Süßwasser- reserven gehen.

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