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Wirtschaftspolitik 2002
Was Bundeskanzler Gerhard Schröder in der Wirtschaftspolitik zu tun hat, das
weiß er: Aber, was tut er? Es gibt da ein Drehbuch, einen Koalitionsvertrag.
Doch der ist kein Dokument für entschlossenes Handeln, sondern eher eine
Anleitung zum durchwurschteln.
Nur weil der Arbeitsmarkt nicht leben darf, ist die Arbeitslosigkeit so hoch.
Sinkt die Arbeitslosigkeit, dann steigen die Steuereinnahmen und die
Staatsausgaben sinken. Der europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt wäre
keine Zwangsjacke mehr - das weiß der Kanzler. Und doch hat er während seiner
Regierungszeit nichts für mehr Beweglichkeit auf dem Arbeitsmarkt getan - im
Gegenteil er hat das Regulierungsnetz noch dichter knüpfen lassen.
Was wird er tun, damit die Wirtschaft ihre Dynamik zurückgewinnt? Nichts wird
er tun!
Kann Superminister Wolfgang Clement das Ruder
herumzureißen? Nein, das kann er nicht. Wirtschaftspolitische Macht
liegt nicht bei ihm oder seinem Ministerium, sondern bei der Europäischen
Zentralbank und dem Bundesfinanzministerium. EZB-Chef Duisenberg sollte die
Zinsen senken und Finanzminister Eichel muß von seinem Sparkurs runter.
Arbeitsplätze entstehen nur, wenn einer Geld ausgibt, sagt Oskar
Lafontaine.
Nein, Superminister Wolfgang Clement wird vier Jahre zu tun haben, das
gewerkschaftsnahe Arbeitsministerium und das FDP-lastige Wirtschaftsministerium
in den Griff zu bekommen. Dort herrschen nämlich Mobbing, Krieg und Chaos
zwischen alten Seilschaften.
Die Weltwirtschaft ist dabei, erneut wegzuknicken, das Wachstum in
Deutschland nähert sich der Nulllinie, die Produktion verlangsamt sich auch
weiterhin. Branchenriesen atmen flach und denken an die Verlagerung ihrer
Konzernzentralen ins Ausland.
Hunderttausende, die heute noch am Schreibtisch sitzen oder an der Werkbank
stehen, werden ihren Arbeitsplatz in Kürze räumen müssen. Die Krise hat wie ein
Virus nahezu alle Branchen befallen, Medienindustrie, Banken und
Versicherungen, das Baugewerbe sowieso.
Die Bundesregierung hat so gut wie keine Rezepte gegen Konjunkturflaute und
struktureller Dauerkrise. Die geplanten Steuererhöhungen entziehen Bürgern und
Unternehmen Kaufkraft in Höhe von 20 Milliarden Euro. Die Koalition leitet
Gelder in Höhe von fast einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts von den
Privaten in die Staatskassen um.
Die rot-grünen Koalitionäre haben sich von der Wirklichkeit verabschiedet und
sich für eine eigene kleine Welt entschieden: Für Kuhmist, Stress und Mobbing.
Die Regierung bürdet ausgerechnet denen neue Lasten auf, die das Sozialprodukt
in Deutschland erwirtschaften. Arbeit wird erneut teurer, die Jobkrise weiter
verschärft. Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ist am Ende, noch ehe er
begonnen hat.
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