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Der Gipfel-Sturm von Genua
Arrangement und Regie: Der "Cavaliere" Ministerpräsident Silvio Berlusconi [ 1 ], der reichste Mann Italiens, ein Milliardär mit übersteigertem Ego.
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Der Herrscher Berlusconi
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Italiens Demokratie stirbt
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Münchner Erklärung
27.05.2004 | Er läßt kaum ein Fettnäpfchen aus und scheut sich nicht, seine
politischen, wirtschaftlichen und privaten Interessen zu verquicken. Der
italienische Ministerpräsident und Medienmogul Silvio Berlusconi läßt sich
Gesetze auf den Leib schneidern und provoziert gerne mal mit Äußerungen
über die Nazi-Zeit. Die EU atmete erleichtert auf, als die Amtszeit
Berlusconis als deren Ratspräsident endete.
Von zahllosen drei mal sechs Meter großen Wahlplakaten lächelt Berlusconi
derzeit herab und erklärt den ungläubigen Italienern, um wie viel die Steuern
gesunken und die Renten erhöht worden seien.
Globalisierung
Das Zeitalter heißt: Globalisierung und fehlt in keiner Zeitungsausgabe, ist
Standardvokabular der modernen, illusionslosen, postideologischen Gesellschaft
aus überarbeiteten Allzeitvollbeschäftigten, technokratischen Dotcommies,
geldgeilen Aktienstümpern, Langzeitstudenten, Vorruheständlern und
Möchtegerneltern mit vermeintlichem Recht auf Nachwuchs mittels Geld.
Unterschiedliche Schicksale, Chancen und Chancenlosigkeit, die widerlichste und
am schnellsten wachsende Branche der globalisierten Ökonomie, der Handel mit
Kindern hat seinen Grund: Globalisierung. Wer macht das? Hat die Globalisierung
einen Sitz, eine Zentrale? Was sind WTO,
NAFTA, MAI, IWF, VFA und Weltbank? Wer hat entschieden, daß jetzt
Globalisierung ist? Ist Globalisierung gut, schlecht oder von allem etwas,
"cui bono"?
Was soll überhaupt globalisiert werden? Ist Globalisierung mehr als die
Gründung von Filialen internationaler Konzerne? Ist Globalisierung mehr als von
der Mehrheit akzeptierte Marktwirtschaft? Ist Globalisierung freies
Unternehmertum? Oder wird einfach nur drauf los liberalisiert? Finanzindustrie,
Notenbanken und Finanzministerien der reichen Länder, bestimmen die Regeln. Daß
da was schief läuft, belegt die Häufung von Finanzkrisen. Die Asien-Krise hat
Millionen Menschen in Arbeitslosigkeit und Armut getrieben. Ein Beweis dafür,
daß Globalisierung falsch betrieben wurde, ist die Tatsache, daß China und
Indien, die sich aus diesem unbedachten Integrationsprozeß der Kapitalmärkte
herausgehalten haben, wirtschaftlich relativ erfolgreich sind.
Globalisierung bedeutet Entdemokratisierung und es gibt auch keine Ansätze zu
einer globalen Demokratie. Im Gegenteil: Demokratie ist überall unter Druck
geraten. Man kann von einer Grundtendenz zum Autoritarismus sprechen. Eine
autoritäre Regierung lebt von der Apathie der Bürger, die ihren eigenen,
privaten Interessen nachgehen. Eine weitere Seite des Autoritarismus ist die
Gesellschaft der "couch potatoes", Fernsehzuschauer, die ihre Tage
Kartoffelchips kauend auf dem Sofa verbringen und auf dem Bildschirm eine Welt
passieren lassen, an der sie keinen Anteil mehr haben und bald auch keinen mehr
haben können. (Professor Dr. Ralf Dahrendorf)
Die Deregulierung und Liberalisierung der Handels- und Finanzmärkte gilt als
Patentrezept gegen Arbeitslosigkeit und Armut und für mehr Wohlstand. Die
Protagonisten der neoliberalen Globalisierung schreiben sich Freiheit und
Wohlstand für alle auf die Fahnen. In Wahrheit führt die Unterwerfung unter das
Diktat der entfesselten Marktkräfte zu immer mehr Ungleichheit und
Verteilungsungerechtigkeit. Etwa die Hälfte der Menschheit muß mit weniger als
2 Dollar täglich leben. Gleichzeitig haben die 200 reichsten Personen der Welt
ihr Vermögen von 1994 bis 98 auf 1.000 Milliarden Dollar verdoppelt. Eine
radikale Abkehr von der neoliberalen Politik, eine Orientierung an die
Leitlinien von sozialer Gerechtigkeit, Demokratie und ökologisch
verantwortlicher Entwicklung wird von der Jugend der Welt gefordert.
Motor der Globalisierung sind die internationalen
Finanzmärkte. Charakterlose Elitenomaden, nur auf ihren eigenen Vorteil
bedacht, Banker und Finanzmanager setzen täglich Milliardenbeträge auf den
Finanzmärkten um und nehmen über ihre Anlageentscheidungen immer mehr Einfluß
auf gesellschaftliche Entwicklungen. Damit untergraben die Finanzmärkte die
Demokratien der Welt. Kohl und auch Schröders Versprechen, die Globalisierung
bringe Wohlstand für alle, hat sich nicht erfüllt und war auch nicht gewollt.
Im Gegenteil: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer. Seattle,
Prag, Nizza, Davos oder Genua - wann immer Weltbank, IWF[ 4 ] und WTO oder die Chefs der
Industrieländer sich zu Gipfeln trafen; nie kam etwas gutes dabei heraus! 65%
der Bevölkerung - allein in Deutschland - unterstützen laut Spiegelumfrage
friedlichen Protest von Globalisierungskritiker.
Welch unglaubliche Arroganz von acht Staaten, zu glauben, ohne jegliche
Legitimation über die Weltwirtschaftspolitik allein entscheiden zu können. Der
Gipfel zeigte nur, wer auf der Welt glaubt das Sagen zu haben: Drei, vielleicht
vier Regierungen und die mit ihnen verknüpften Interessen transnationaler
Konzerne.
Zirka 2 Billionen US-Dollar werden tagtäglich in der Hoffnung auf schnellen
Profit rund um den Globus verschoben. Dies destabilisiert die internationalen
Finanzmärkte mit katastrophalen Folgen für Produktion, Investition und
Beschäftigung. Interessen von Finanzanleger bestimmen die Politik von
Unternehmen und Regierungen. Nach dem Shareholder value-Prinzip [ 2 ] wird Unternehmenspolitik nur
noch an kurzfristigen Gewinninteressen der Anleger orientiert. Regierungen
richten sich ebenfalls nach den Wünschen der Kapitalanleger, nach hohen Zinsen,
niedrigen Steuern und Geldwertstabilität als alleiniges Ziel von
Wirtschaftspolitik.
Erklärung der führenden Industrieländer von Genua: "Soweit
erforderlich, werden wir bei der Umsetzung von Maßnahmen wachsam und
vorausschauend bleiben, um sicherzustellen, daß unsere Volkswirtschaften ihrem
Potenzial entsprechend zu einem nachhaltigeren Wachstum finden". Kein Wort
über neue Schritte.
» Erstmals seit 25 Jahren
beobachten wir eine rasante Talfahrt aller großen Volkswirtschaften rund um den
Globus.
Globalisierungskritiker
Beispiel: Attac. Was sie alle eint, ist die Ablehnung des Slogans "Alle Macht den transnationalen Konzernen!" der auf dem Banner des Freihandels steht. Allen gemeinsam ist, daß sie aus verschiedenen Blickwinkeln eine bittere Kritik an der Ideologie entwickelt haben, die rund um den Globus die Regierungspolitik in den 90er-Jahren bestimmt hat - das, was man heute Neoliberalismus nennt (manchmal wird in Kontinentaleuropa auch einfach der Begriff Liberalismus verwendet, so verwirrend dies in den angelsächsischen Ländern auch wirken mag).
Ein prominenter Sympathisant der Globalisierungskritiker ist ausgerechnet George Soros, der wohl berühmteste aller Spekulanten. Er macht sich nicht nur für eine strenge Regulierung der Finanzmärkte stark, sondern plädiert sogar für die Einführung der von den Demonstranten geforderten " TobinTax ", einer Umsatzsteuer auf Devisentransaktionen. Sie soll entsprechend dem Vorschlag des US-Ökonomen James Tobin "Sand in das Getriebe" der chaotisch ausschlagenden Kapitalmärkte streuen und die Gewinner des globalen Finanzkasinos an den Kosten der Systemreparatur beteiligen. Die Kritik teilt mittlerweile sogar der frühere Chefökonom der Weltbank, Joseph Stiglitz. Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac, nicht gerade als Umstürzler bekannt, findet drastische Worte: "Spekulanten sind das Aids der Gesellschaft", schäumt der Konservative. Doch auch der Weltbank-Präsident lässt Sympathien für die Menschen erkennen, die seine Organisation abschaffen wollen: "Wir verfolgen ähnliche Ziele wie die Demonstranten auf der Straße", beteuert der 67-Jährige. Was ist los mit den Führern der freien Marktwirtschaft? Offensichtlich sind sie schwer beeindruckt von einer Bewegung, die immer lauteren Unmut über die weltweite Vernetzung der Wirtschaft artikuliert. Der global explodierende Kapitalismus trifft zehn Jahre nach der Implosion des Sozialismus auf erste ernstzunehmende Gegner.
... ich war wahrscheinlich der erste Antiglobalisierer überhaupt, behauptet Klaus Schwab (63, Schwab steht an der Spitze des Weltwirtschaftsforums) ... Eine rein wirtschaftliche Globalisierung ist auf Dauer nicht haltbar. Sie muß auch einen sozialen Nutzen bringen. Die Wirtschaft muß der Gesellschaft dienen. Das habe er schon Mitte der neunziger Jahre, lange vor den Protesten von Seattle, Prag und Genua geschrieben, sagt er in der Wochenzeitung "DIE ZEIT".[onClick]
... es geht um Alternativen zu den Konzernen, die unsere De-Facto-Weltregierung sind, schreibt Naomi Klein in ihrem Buch "No Logo" (Riemann-Verlag).[onClick]
... die Chance, mit offenen Märkten wirtschaftliches Wachstum zu fördern, Ressourcen effizienter zu nutzen, Lebensbedingungen und Wohlfahrt der Menschen zu verbessern. Zugleich liegt darin die Notwendigkeit, einen Rahmen für Stabilität und Rechtssicherheit der Weltwirtschaft zu schaffen. Rolf E. Breuer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank AG.[onClick]
... dass niemand verschont bleibt, seine Haut weltweit zu Markte zu tragen. Der Wettlauf um niedrigste Löhne und übelste Arbeitsbedingungen spielt Menschen gnadenlos gegeneinander aus. Sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse feiern Auferstehung. Dabei wäre eine Auferstehung der Menschenwürde nötig. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Direktorin von Brot für die Welt.[onClick]
... die Geschwindigkeit und Leichtigkeit, mit der das Kapital von Land zu Land und von Sektor zu Sektor fließen kann. Die Mobilität auf den Kapitalmärkten treibt in diesem Jahrhundert die Globalisierung weiter voran als es der Freihandel tut. George Soros, Börsenguru i.R. [onClick]
Noam Chomskys Buch War Against People behandelt das Problem der hoch verschuldeten Länder in Lateinamerika und Afrika. In allen diesen Ländern ist das Fluchtkapital der heimischen Eliten fast so groß wie die Auslandschulden, für deren Tilgung die Bevölkerung geradestehen muß und dazu einem harten Regime von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank unterworfen wird. Einen Anreiz für das Fluchtkapital schufen die reichen Länder mit der Abschaffung des Währungssystems, mit festen Wechselkursen und der Liberalisierung des Kapitalmarktes, auf dem mittlerweile über 90 Prozent spekulatives, meist nur sehr kurzfristig angelegtes Kapital rund um den Globus hin- und hergeschoben wird. Chomsky zeigt an zahlreichen Beispielen, wie diese Fluchtkapitalströme und die wachsende Verschuldung soziale Gerechtigkeit und Demokratie in den armen Ländern unterminieren.[onClick]
"Wenn die Märkte so perfekt funktionieren, warum gibt es dann Arbeitslosigkeit und Konjunkturkrisen?" (Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, Professor an der New Yorker Columbia Universität und ehemaliger Chefberater von US-Präsident Bill Clinton)[onClick]
US-Professor Michael Hardt (fordert eine Revolution) ist Co-Autor von
"Empire", der Utopie einer freiheitlicheren Gesellschaft. Das Werk
wurde zur Bibel der Globalisierungsgegner.
Die Protestbewegungen, sieht er als enormen politischen Fortschritt an, weil
sie nicht gegen die Globalisierung an sich sind: "Sie sind gegen die
momentan durchgesetzte Form der Globalisierung. Die Protestler fordern mehr
Freiheit, mehr Gleichheit, mehr Demokratie. Das scheinen mir die besseren
Globalisierungsargumente zu sein. Denn die gegenwärtige Politik behindert
beispielsweise die freie Migration der Menschen." WamS
"Change or die! Ändert Euch, oder Ihr vergeht!" Reverend Sullivan aus Südafrika.
Vor der eigenen Haustüre sollt ihr kehren!
Die meisten Probleme könnten regional gelöst werden. Dazu braucht man keine
Weltregierung. Um Schulen, Kindergärten und Kläranlagen zu bauen oder der
Finanz- und Automobilindustrie Auflagen zu erteilen braucht man keinen
G7-Gipfel zu veranstalten.
Internationale Probleme , die überregionale
Regelung bedürfen wie z.B. Klimaschutz, grenzüberschreitende
Wirtschaftskriminalität oder der Kampf gegen Steueroasen erfordern ganz sicher
global governance . Bei allen anderen
Globalisierungsfragen kann die Antwort nur lauten: Zuerst vor der eigenen
Haustüre kehren.
Staatsversagen
Staatsversagen ist die Ohnmacht der Regierungen vor der Finanzmacht. Die
Finanzregime haben die Politik fest im Griff und zerstören sie. Sie untergraben
demokratische Prinzipien und produzieren immer mehr zornige Opfer.
Die APO (außerparlamentarische Opposition) ist eine Antwort auf das Versagen
von Parlamenten und Regierungen, so wie die Umweltzerstörung die
Umweltbewegungen hervorbrachte und die Friedensbewegung eine Antwort auf das
Wettrüsten war.
In der Talkshow "Christiansen" sagte Oskar Lafontaine:
"Regierungen sind Unternehmen für Unternehmer. Präsident Bush trägt seine
Wahlkampfschulden ab, die Ölmultis dürfen in Alaska bohren, die Waffenindustrie
bekommt ihr Antiraketenprogramm und die Wallstreet verdient -auch wenn dabei
ganze Volkswirtschaften zu Grunde gehen". In Italien hat sich ein
Unternehmer (Berlusconi) gleich den ganzen Staat gekauft.
Wenn Regierungen Unternehmen für Unternehmer sind, dann sind folglich Politiker
ihre Handelsvertreter. Schlechtestenfalls Statisten bei den Plänen der
Mächtigen dieser Welt.
Die Steueroasen der Raffkes
In Steueroasen wie die britischen Cayman-Inseln, die niederländischen
Antillen, Liechtenstein[ 3
] oder Hongkong, sind nach Schätzungen des IWF private Vermögen von über 5
Billionen Dollar gebunkert. Dem deutschen Fiskus entgehen zig Milliarden €
jährlich. Wann kümmert sich Finanzminister Eichel um das Privileg der
Raffkes Geld an der Steuer vorbei ins Ausland zu schaffen, um ihr
"Vermögen" zu "optimieren". Was spricht dagegen, die
sogenannten Offshore-Zentren (exterritoriale Zonen auf den Festplattenspeichern
der Banken), die Steuerfluchtplätze der Reichen, die Rotlichtzonen des Kapitals
abzuschaffen? Ist es nicht an der Zeit, sie zur Kooperation zu zwingen oder aus
den Finanzmärkten auszuschließen? [rt]
Die Globalisierung der Finanzmärkte hat dazu geführt, daß riesige Kapitalmengen
ohne jede Kontrolle rund um den Globus transferiert werden können. Das
ermöglicht Konzernen und vermögenden Privatpersonen Steuerflucht in bisher
ungekanntem Ausmaß. Konzerne verlagern einfach ihre Gewinne (Surplus) über
Briefkastenfirmen und komplizierte Rechtskonstruktionen in Steueroasen des
Auslandes w.O.g., und umgehen so der Besteuerung. Privatpersonen verschieben
ihr Kapital ins Ausland; Zinsen, Dividenden und Spekulationsgewinne werden bei
der Steuererklärung verschwiegen und die fälligen Steuern hinterzogen.
Umgekehrt können ausländische Firmen und Privatpersonen Deutschland als Steueroase nutzen. Organisiert wird
die Steuerflucht von Banken, RechtsanwältInnen und SteuerberaterInnen.
Die fehlenden Steuereinnahmen holt sich der Staat über Steuern auf
Arbeitseinkommen und Konsum. Beides belastet einkommensschwache Personen am
stärksten, so daß die Steuerflucht zu einer massiven Umverteilung von unten
nach oben beiträgt. Statt Kapitaleinkommen fair zu besteuern, wird der Ruf nach
Steuersenkungen immer lauter. Kapitaleinkommen gehören mindestens so hoch und
progressiv besteuert wie Einkommen durch Arbeit. Doch nicht bei uns: "wer
hat, dem wird gegeben und nicht etwa genommen". Das will auch
Finanzminister Eichel nicht ändern.
Steuerpolitik
Schon 1995 zahlten Kapitalgesellschaften in der EU 40 % weniger Steuern, als
ein Jahrzehnt zuvor. Wirklich bedrohlich ist jedoch der Abgrund, der sich
zwischen den Wohlstandsländern und dem Rest der Welt auftut. Im Jahr 1960
erzielte das reiche Wohlstandsfünftel der Weltbevölkerung ein
Pro-Kopf-Einkommen, das 30 mal höher lag, als die Wirtschaftskraft der ärmsten
20 Prozent; heute erreicht die Differenz das 78fache .
Eichel beugt sich den Forderungen der Multis, weil er glaubt mit Kapitalflucht
und Investitionsstop bestraft zu werden. Dem milliardenschweren
Subventionssegen für Chip- und Automobilfabriken in Ostdeutschland steht darum
auch nichts im Wege. Auch die zweistelligen Milliarden an Steuergeschenke an
die deutschen Aktiengesellschaften gingen von ihm ohne Widerstand über die
Bühne. Kapitalflucht und Investitionsstop gehen trotz allem ungehindert
weiter.
Armutsbekämpfung
Nun gibt es seit Monaten den Armutsbericht, und die Schröderisten haben nur
eines im Kopf: Wie, und wo können wir den Leuten noch etwas abknöpfen.
04.08.2001 Die Kluft zwischen Arm und Reich in der Welt hat sich nach Angaben
der Bundesregierung weiter vergrößert. Laut ihrem 11. Bericht zur
Entwicklungspolitik lag die Einkommenslücke zwischen reichstem und ärmstem
Fünftel der Weltbevölkerung 1997 bei einem Verhältnis von 74 zu 1, während es
1990 noch 60 zu 1 und 1930 nur 30 zu 1 betragen habe.
Die drei reichsten Menschen verfügten über ein größeres Vermögen als das
gesamte Bruttoinlandsprodukt der 49 ärmsten Länder der Welt. Die Grenze
verlaufe zunehmend zwischen Gewinnern und Verlierern der Globalisierung. Das
gelte für Staaten oder Regionen, aber auch für die unterschiedlichen Chancen
von Männern und Frauen.
[ 1 ] Silvio Berlusconi
(vorbestraft), ist einer der reichsten Männer Europas (ca. 13 Milliarden
Dollar). In Italien herrscht mit Silvio Berlusconi ein Ministerpräsident, der
das Land als seine Firma betrachtet. Wo er nicht herrscht, herrschen seine
condottieri. Die Italien-AG ist keine politische Gesellschaft, sondern eine
Zugewinngemeinschaft für ihn. Der Medienmogul konzentriert in seinen Händen
eine ungeheure Medienmacht. Ihm gehören die größten Privatsender (nur Sport,
Unterhaltung und Sex) des Landes, dazu Versicherungen, Baufirmen, Buch- und
Zeitschriftenverlage, eine Filmproduktionsfirma und der größte Videoverleih des
Landes. Vorsorglich hat Berlusconi auch das öffentlich-rechtliche
Fernsehprogramm unter seinen Einfluss gebracht. Berlusconi hat außerdem ein
gestörtes Verhältnis zum Rechtstaat, ist ein Rechts-Politiker mit Finanzhilfen
aus dubiosen Quellen. Berlusconi repräsentiert die Parvenus der italienischen
Gesellschaft, die sich mit allen Mitteln bereichern wollen.
[ 2 ] Shareholder = Aktionär,
Hauptaktionär; value = n. Wert, v. bewerten
[ 3 ] Liechtenstein - ein
typisches Beispiel für eine Steueroase. Durch das strikte Bankgeheimnis in
Liechtenstein können Vermögende ihr Kapital deponieren und es vor der
Finanzbehörde des eigenen Landes verstecken.
[ 4 ] Der Internationale
Währungsfonds (IWF) hat so viel Geld wie nie zuvor in seiner mehr als
50-jährigen Geschichte. Das Finanzinstitut hatte am 30. April 2001 Reserven in
Höhe von 101,5 Milliarden Dollar (109,8 Milliarden Euro), fünf Prozent mehr als
ein Jahr zuvor. Der von Globalisierungsgegnern unter schweren Beschuß geratene
IWF hat die für viele Länder schmerzlichen Reformauflagen für IWF-Kredite
vereinfacht.
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