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Die INSM, die "Dreisteste Propagandakompanie des neoliberalen
Kahlschlags"
02.12.2005 | Zum dritten Mal vergab die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
([extern] INSM) den Titel "Reformer des Jahres". Der Prämierte ist der
einflußreiche Verfassungsrichter Udo Di Fabio. Di Fabio ist als maßgeblicher
Verfassungsrichter einer der mächtigsten Männer im Staat und ist an allen
wichtigen Entscheidungen der obersten Rechtsinstanz federführend beteiligt. Di
Fabio sucht die öffentliche Bühne, um mit Reformvorschlägen auf der Ebene der
kulturellen Werte direkt in die gesellschaftliche Debatte einzugreifen. Sein
viel diskutiertes Buch "Die Kultur der Freiheit" plädiert für konservative
Tugenden wie Kinderreichtum, Familie sowie harte Arbeit. Seine Biografie (der
Vater war Bergarbeiter, der Großvater immigrierte aus Italien) ist ein
mustergültiges Beispiel für den gesellschaftlichen Aufstieg. Die mensch-
gewordene Reform sozusagen.
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft
will mehr Markt, weniger Staat. Weg mit dem Sozialstaat zugunsten der
Privatisierung. Auch in Schulen hat die Initiative Einzug gehalten. Auf ihrer
Website können sich Lehrer Material herunterladen.
Geldgeber der Initiative sind die Arbeitgeberverbände der Metall- und
Elektroindustrie. Die INSM sitzt im gleichen Haus wie das Institut der
deutschen Wirtschaft in Köln. Ihr Ziel: Die Menschen für Reformen im Sinne der
Arbeitgeber zu gewinnen. Die Initiative hat viel Geld, 8 bis 10 Millionen Euro
im Jahr. Die Rede ist oft auch von 20 Millionen Euro im Jahr, die vor allem für
die PR ausgegeben werden. Die Initiative pro- pagiert Entstaatlichung auf allen
Ebenen. Sie tut dies um der Gesellschaft die Entstaatlichung und Privatisierung
schmackhaft zu machen. Die Initiative arbeitet mit der Agentur Scholz &
Friends in Berlin zusammen. Die PR-Agentur schafft Botschaften und Bilder. Die
Initiative sorgt für Schlagzeilen. Die sind am nächsten Tag in allen Zeitungen,
mit ihren Botschaften. PR-Aktivitäten auch im Fernsehen. Hier hatte die
Initiative Dialoge gekauft. Die Botschaft: Lohnnebenkosten müssen runter,
Arbeitszeiten rauf (Marienhof, Folge 1936, 1962). Es ist verboten für
politische, weltanschauliche und religiöse Positionen zu werben, also in
Werbespots und natürlich erst recht im Programm. In der RTL-Journalistenschule
in Köln versucht die Initiative scheints, jungen Journalisten ihre Themen nahe
zu bringen. Sie finanzierte einen Workshop der RTL-Schüler: Welche Reformen
braucht das Land? Die Initiative bringt Wissen- schaftler und Experten in die
Talkshows. Diese Wissenschaftler und Experten arbeiten oftmals mit der
Initiative zusammen und sind sogar deren Botschafter (PR Agenten). Doch das
erfahren die Zuschauer nicht. Bis in die politischen Spitzenpositionen wirkt
der Einfluß der Initiative. Angel Merkel (CDU) kann gar nicht mehr ohne die
Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Die Initiative ist eine Krake.
» I N S M
(Wikipedia)
» I N S M -
Studie (PDF-Datei)
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist eine Tarnorganistion der Metallindustrie. Zahlreiche Journalisten und Medien sind inzwischen Teil der Kampagne. Die Initiative liefert auf Bestellung Daten, sie machen daraus einen Artikel oder gleich eine ganze Doppelseite, wie in der "Welt". Kernaussage: 50 Jahre Sozialpolitik - ein einziger Irrtum. Weg damit! (FAZ.NET)
... der Charme der INSM ist, dass zu ihren so genannten Botschaftern führende Köpfe aus Wirtschaft und Politik gehören - zum Beispiel Friedrich Merz oder der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser. Da wir gerade so etwas wie eine wirtschafts- und sozialpolitische Wendezeit erleben, sind diese Köpfe und ihre Meinungen überall gefragt. So kann die INMS über ihre Botschafter tatsächlich den Mainstream der Medien beeinflussen ... die INMS ist einfach eine der finanziell stärksten Lobby-Organisationen. Sie hat zum Beispiel den Filmemacher Günther Ederer ... unterstützt. Seine Filme "Das Märchen vom gerechten Staat" oder "Das Märchen von der sicheren Rente" liefen in der ARD. taz, die tageszeitung (Cerstin Gammelin, "Die Strippenzieher")
Guerilla in Nadelstreifen
der ehemalige Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer (CDU), der
Unternehmensberater Roland Berger, die thüringische Ministerin Dagmar
Schipanski (CDU), die Europaabgeordnete Silvana Koch- Mehrin (FDP), die
finanzpolitische Sprecherin der Grünen, Christine Scheel, der
SPD-Medienpolitiker Peter Glotz (inzwischen verstorben), der frühere
Verfassungsrichter Paul Kirchhof und viele andere. Die Botschaften sind
schlicht.
Mitarbeiter von Scholz & Friends koordinieren die Aktivitäten: Anzeigen,
Broschüren, Veranstaltungen, Fernsehbeiträge, Internetauftritte und gezielt
platzierte Gäste in Talkshows. Medienpartnerschaften sorgen für flächendeckende
Reichweite. Die Zeitschriften Wirtschaftswoche, Impulse, Manager-Magazin und
Hör zu, die Tageszeitungen Handelsblatt, Financial Times Deutschland, Die Welt,
Magdeburger Volksstimme, Schweriner Volkszeitung und Neue Westfälische sowie
die Fernsehsender n-tv und MTV - sie alle gehören zum Netzwerk. Journalisten
wurden der verlängerte Arm der marktwirtschaftlichen Guerillatruppe.
Journalisten ... als Text- und Themenmanager, die eine möglichst
zufriedene und ver- gnügte Leserschaft zum Wohle ihres Arbeitgebers erzeugen
... Die heilige Kuh der journalistischen Unabhängigkeit wird auf den
Schlachthof getrieben. PR als trojanisches Pferd des Journalismus wird
hoffähig.. (Journalistik-Professor Michael Haller, Hamburg/Leipzig)
taz
Vor der Bundestagswahl schickten die Gesamtmetallarbeitgeber ihr bestes Pferd ins Rennen, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM). In diesem professionellen Think Tank kommt die Crème de la Crème aus PR, Politik, Journalismus und Wissenschaft zusammen, um neoliberales Gedanken- gut zu verbreiten. Durch perfekt inszenierte Kampagnen oder prominente Botschafter, die als vermeint- lich unabhängige Experten unter anderem sonntags bei Sabine Christiansen auftraten. Mit Erfolg. Slo- gans der INSM "Sozial ist, was Arbeit schafft" sind mittlerweile in aller Politiker Munde. Zunehmend gerät die Initiative ins Visier einer kritischen Öffentlichkeit. Nach einer anfänglichen Liaison nahm bei- spielsweise DIE ZEIT wieder Abstand und untersuchte erst vor kurzem die Strategien der INSM.
INSM und Sabine Christiansen
Kaum eine Sendung polarisiert mehr als "Sabine Christiansen" ... vor allem
Wirtschaft und Union kommen zu Wort. Sabine Christiansen ist nah dran an der
Wirtschaft ... an ihrer Seite: Manfred Schneider. Aufsichtsratschef von Bayer
und der Linde AG, sitzt im Aufsichtsrat der Allianz, Daimler, Metro, TUI und
RWE. Ein Mann mit Kontakten also ...
Die Moderatorin holt jeden Sonntagabend zur besten Sendezeit bis zu sechs
Millionen Zuchauer aufs Sofa ... Friedrich Merz (CDU): "Diese Sendung bestimmt
die politische Agenda in Deutschland mittler- weile mehr als der deutsche
Bundestag."
Unionsnah und wirtschaftsfreundlich sind auch die Themen der Sendungen ... "Die
Thesen, die Sabine Chistiansen in ihrer Sendung vertritt, sind die der
Initiative neue soziale Marktwirtschaft", analysiert der Berliner Politologe
Rudolf Speth ... Die Wirtschaft kommt bei Sabine Christiansen nicht nur oft zu
Wort. Sondern: Die Bosse erhalten immer Recht. Nur selten wird der Zuschauer
mit präzisen Informationen gefüttert. "Allsonntäglich tritt so eine große
Koalition der Systemüberwinder gegen ihr Volk an", schreibt der Publizist
Walter van Rossum in seinem Buch "Meine Sonntage mit Sabine Christiansen - Wie
das Palaver uns regiert".
Christiansens Gästeliste liest sich wie ein "Who is who" des deutschen
Kapitals. Sie kennt gewichtige Leute ... Und sie hat Helfer, die ihr die
Manager in die Sendung hieven (Susanne Rohmund)
Der "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft"
Nach einem sogenannten "Professoren-Panel" der INSM sind die "Ökonomen
mit großer Mehrheit für Studiengebühren im Erststudium". 92,6% der "führenden
deutschen Wirtschaftswissenschaftler" seien dafür. Schaut man genauer hin,
stellt man fest, dass sich nur eine winzige Zahl von Deutschlands
Ökonomieprofessoren an der Umfrage beteiligt haben, nämlich gerade mal 54 von
mehreren tausend. Ein schofles Täuschungsmanöver auf das manche Medien aber
kritiklos hereinfallen. (Wolfgang Lieb, NachDenkSeiten)
Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ist eine PR-Organisation zur
Vertretung von Arbeitgeber- interessen, getarnt als überparteiliche Initiative
für das Gemeinwohl. Die Initiatoren wollen eine andere Republik - ihre
Einstellung zur Sozialstaatlichkeit deckt sich nicht mit dem Auftrag des
Grundgesetzes. Die Lasten der Deutschen Einheit dem Sozialstaat anzulasten -
ein ziemlich mieser Trick. Dieser Trick, mit dem die einheitsbedingte
Mehrbelastung der Arbeitnehmerschaft und der Sozialkassen heute, ohne auch ein
einziges Mal diese Ursache zu erwähnen, in Stellung gebracht wird gegen die
Sozialstaat- lichkeit und gegen öffentliche Leistungen, spricht schon für einen
bemerkenswerten Zynismus der Initiatoren. Sie wollen weg von der sozialen
Sicherung und hin zu einer Grundsicherung mit privat organisierter
Zusatzversorgung, die dann - wie jetzt bei der Rente - von den Arbeitnehmern
alleine bezahlt werden soll.
Die "Initiative" ist eine Propagandamaschine ohne Bezug zur Realität. Die
Initiative ist gerade wegen ihres professionellen Auftretens unglaubwürdig.
Zentrale Aussagen in den Publikationen der "Initiative" sind eher dem
Zettelkasten einer Werbeagentur und/oder dem etwas eingestaubten Giftschrank
von Verbandsideologen entnommen, als dass sie die bundesdeutsche Realität
einigermaßen korrekt abbildeten oder zukunftsweisende Vorschläge zur Erneuerung
unserer Wirtschaftsordnung enthielten. Die "Initiative" vertritt eine Ideologie
ohne konzeptionelle Substanz. Die "Initiative" liefert keinen Beitrag zur
Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Nicht einmal den Schutz des Wettbewerbs macht
die "Initiative" zum Thema - und dies in Zeiten großer Fusionen und
Machtmißbrauchs durch fast monopolartige Gebilde. Das ist weit weg von Ludwig
Erhard, auf den sie sich so gerne und viel beruft. (Albrecht Müller,
NachDenkSeiten)
Die Initiative arbeitet im Innersten der deutschen Medienrepublik, dort, wo die Nachrichten des nächsten Tages entstehen, dort, wo die veröffentlichte Meinung gemacht wird. Sie setzt alles daran, Stimmungen zu verstärken oder zu drehen und medialen Druck zu erzeugen ... Seit Jahren ist sie in den Medien präsenter als andere liberale Zusammenschlüsse, seien es »Bürgerkonvent«, die Aktion »Deutschland packt's an« ... Darüber hinaus haben die beiden Geschäftsführer, Dieter Rath und Tasso Enzweiler, viele Kuratoren, Unterstützer und so genannte Botschafter an sich gebunden, die für die Ideen der Initiative werben. Auf diese Weise ist ein Netz entstanden, dessen Größe zunächst gar nicht zu erkennen ist und dem der frühere Präsident der Bundesbank, Hans Tietmeyer genauso angehört wie der Grünen-Politiker Oswald Metzger ... Fast neun Millionen Euro kassiert die Initiative jährlich vom Arbeitgeber- verband Gesamtmetall. Das ist in dieser Form ... ein immenses Budget für Lobbyisten ... Zudem haben die Macher der Initiative eine Strategie gewählt, von der sie glauben, dass sie ihre neun Millionen Euro wie hundert Millionen Euro wirken lässt. Dafür »wenden wir uns an Multiplikatoren, also Journalisten, Wissenschaftler, Prominente, Lehrer und Priester. Wenn wir sie überzeugen, kann daraus ein ›Triple Down‹-Effekt werden, der nach und nach auch weite Teile der Bevölkerung erreicht«, sagt Dieter Rath. (DIE ZEIT)
"Du bist Deutschland"
"Deutschland ist Schlusslicht", so schrecken uns die Alarmrufe unserer
Wirtschaftsexperten. Von Arbeitgebern finanzierte Propaganda-Agenturen wie die
"Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" bläuen uns ein: Deutschland ist am
Ende, wenn wir nicht die Löhne senken, Sozialleistungen kürzen,
Unternehmenssteuern senken, der Markt kann alles besser als der Staat. Und die
meisten Medien krächzten die Angstparolen wie Papageien nach: Der Sozialstaat
und Gewerkschaften sind am Elend schuld. Die Politiker und Parteien wurden
weich geklopft, das zu "reformieren".
Die plumpe Kampagne wird zum Glück verpuffen. Die Wähler haben den
"Systemveränderern von oben" gezeigt, dass sich das Volk, der "alte Lümmel",
nicht für blöd verkaufen lässt. (Wolfgang Lieb, Nach- DenkSeiten)
Deutschland ist ein Niedrigsteuerland
16.10.2005 | Seit Jahren wird uns eingebläut: Der Sozialstaat steht am
Abgrund. Steuern, Löhne und die staatlichen Ausgaben müssen sinken. Sonst droht
der deutschen Wirtschaft der Kollaps. Wie passt es nun ins Bild, wenn die
OECD verkündet: Deutschland hat eine der niedrigsten Steuer-
und Abgaben- quoten aller Industrieländer? Wie kommt es, dass Forscher unisono
das Land zu den wettbewerbsfähig- sten Standorten der Welt zählen?
Die Antwort liegt in dem Schmierenstück, das uns ein Meinungskartell aus
Medien, Wirtschaft und "Ex- perten" seit Jahren auftischt, um ihre eigenen
Interessen zu fördern und die historische Errungenschaft der sozialen
Marktwirtschaft kaputtzureden. Die angeblich so hohen Sozialausgaben für einen
nicht mehr finanzierbaren Sozialstaat verantwortlich zu machen ist an Heuchelei
kaum zu überbieten. Die Kosten für den Sozialstaat sind keineswegs aus dem
Ruder gelaufen. Sie sind nur unfair auf zu wenige Schultern verteilt.
(taz)
Eine amerikanische Sichtweise
Dieses Land hat die bestausgebildeten Arbeiter und die innovativsten Unternehmen und somit alle Chancen, auch künftig an der Spitze zu stehen. Die Leistungsstärke und Innovationskraft der deutschen Wirtschaft sind für ausländische Investoren ausschlaggebend bei der Standort- entscheidung, sagt Fred B. Irwin, Präsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland (im PDF-Format )
Autobahnen wohl bald in Privatbesitz
..wenn es nach dem Willen von Peer Steinbrück ginge. Nach seinem
Willen?
16.10.2005 | Nicht die Merkel, sondern der Steinbrück (SPD) bringt uns
Deutschen bei, wie künftige Regierungsarbeit aussieht. Der zukünftige
Bundesfinanzminister schließt nicht aus, das deutsche Autobahnnetz zu
privatisieren. Was soll ein Finanzminister machen, der es bald mit dem Staats-
haushalt zu tun hat. Ihm bleiben nur die üblichen Schweinereien:
Privatisierungen von Staatseigentum, Mehrwertsteuererhöhung usw. Und weil der
Staat kaum noch Tafelsilber besitzt - alles längst versetzt - dürften die
deutschen Autobahnen wohl bald in Privatbesitz kommen. Braver Peer Steinbrück.
Sein Vorpreschen heute dürfte selbst die überrascht haben, die ihm das
aufschrieben. Sozialdemokraten können noch tiefer sinken, als manch einer es
für möglich gehalten hat. Nach Sozial- und Bankräuber, nun also auch noch
Straßenräuber im Politikbetrieb.
Nebenbei bemerkt: Unsere Bundesregierung regiert nicht.
Deutschland wird von Geld und Dummheit beherrscht. Kein Politiker arbeitet an
der Lösung der Probleme. Sie sind alle mit den eigenen Macht- phantasien
beschäftigt.
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