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"Jetzt, wo die ganze Ungerechtigkeit dieses Gesetzes zu Tage tritt, und die Betroffenen die volle Härte von Hartz IV trifft, muss sich der Protest neu formieren", so der Initiator der Resolution, Markus Lein von der WASG. "Wir können nicht zulassen, dass die Auswirkungen dieses Schandgesetzes unter den Teppich gekehrt werden und wollen mit unserer Resolution den Betroffenen Mut machen gegen Hartz IV weiter zu kämpfen". Lein versteht die Resolution als Bündelung von Kräften gegen die neoliberale Politik der Bundesregierung und fordert Gleichgesinnte in den anderen Bundesländern auf, ebenfalls Resolutionen zu verfassen, bzw. sich der Saarbrücker Resolution anzuschließen um den Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen.
Text
In den letzten Tagen und Wochen haben sich die Unterzeichnenden zu einer
überparteilichen Initiative zusammengefunden, deren soziales Gewissen und
deren soziale Verantwortung gegenüber der Bevölkerung des Saarlandes und
der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland diese Resolution
hervorgebracht hat. Die Unterzeichnenden fordern die Regierung der
Bundesrepublik Deutschland auf, das Gesetz für moderne Dienstleistung am
Arbeitsmarkt, auch Hartz-IV genannt, sofort zurück zu nehmen, weil,
1. wir nicht zulassen können, dass ein Bürger, der Jahrzehnte in die
Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, im Falle der Arbeitslosigkeit nur
noch einen Bruchteil seiner eingezahlten Beiträge zurück bekommt. Dies ist
eine staatliche Enteignung von Eigentum.
2. wir der festen Überzeugung sind, dass dieses Gesetz massiv gegen das
Grundgesetz verstößt. Hier sei nur als ein Beispiel unter vielen
hervorgehoben, dass auch in nicht ehelichen Partnerschaften das Einkommen
des arbeitenden Partners dem arbeitslosen Partner in voller Höhe
angerechnet wird, was zur Folge haben kann, dass dem arbeitslosen Partner
kein Arbeitslosengeld II mehr bewilligt wird, obwohl keinesfalls sicher
gestellt ist, dass der arbeitende Partner bereit ist, den anderen
finanziell zu unterstützen.
3. wir nicht akzeptieren können, dass ein Langzeitarbeitsloser, der seit
Jahren eine private Vorsorge betreibt, gezwungen ist, sein erspartes
Vermögen aufzubrauchen, bevor er Arbeitslosengeld II beziehen kann, während
jemand, der keinerlei private Vorsorge getroffen hat, sofort diese Leistung
erhält.
4. es eine Schande ist, dass Menschen die durch ihre jahrelange Arbeit zum
Wohlstand unseres Landes und zum Wohlstand ihrer bisherigen Arbeitgeber
beigetragen haben, durch Hartz-IV zu Sozialhilfeempfängern degradiert
werden.
5. es beschämend ist, dass Arbeitslose unter Androhung des Entzuges
jeglicher Sozialleistungen gezwungen sind, jede Tätigkeit auch noch so
gering qualifizierte anzunehmen und dies zum Teil auf der Basis von so
genannten Ein-Euro-Jobs.
6. es nicht zu erkennen ist, dass dieses Gesetz neue Arbeitsplätze schafft,
sondern eher zur Vernichtung von Arbeitsplätzen, zumindest von solchen, die
nach Tarif bezahlt werden, beiträgt. Im Bereich Sozial- und
Gesundheitswesen arbeiten jetzt schon Menschen zu einem Euro die Stunde in
bisher nach Tarif bezahlten Tätigkeiten.
Dieses Gesetz stürzt besonders viele ältere Langzeitarbeitslose,
Alleinerziehende und Familien in eine dauerhafte Armut. In der weiteren
Folge reduziert es unausweichlich die Kaufkraft in den Ländern und
Kommunen, so dass die sowieso schon geschwächten Strukturen des
Binnenmarktes weiteren Schaden davontragen werden. Dieses Gesetz ist ein
Motor für sozialen Unfrieden in unserem Land. Das können wir nicht
zulassen.
Unterzeichnende: 1. Oskar Lafontaine 2. Ottmar Schreiner, MdB 3. Professor
Heinz Bierbaum, Leiter des Info-Institutes 4. Markus Lein, WASG
(Wahlalternative, Arbeit und soziale Gerechtigkeit) 5. Rolf Linsler,
Landesvorsitzender Verdi-Saar 6. Reiner Gehring, Geschäftsführer IG-Bau
Bezirksverband Saar-Trier 7. Volker Schneider, Dipl. Sozialarbeiter 8.
Walter Scheile, Initiative gegen den Abbau des Sozialstaates (IGAS) 9.
Markus Andler, Gewerkschaftssekretär IG-Bau Bezirksverband Saar-Trier und
weitere Unterzeichner
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