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... sich massiv andeutende Zukunftsperspektiven: Asozialisierung,
Entstaatlichung, Zerstörung der Demokratie und autoritärer Militärkapitalismus
als Endstadium des Neoliberalismus
Wir müssen uns über die gesellschaftlichen Folgen der neoliberalen
Entsolidarisierung und Entstaat- lichung im Klaren sein: Dem Abbau des
demokratischen Wohlfahrtsstaates steht SYSTEMNOT- WENDIG der Aufbau eines
AUTORITÄREN ÜBERWACHUNGSSTAATES gegenüber. Vollständige
wirtschaftlicheLiberalisierung geht nur konform mit
vollständiger politischerDeliberalisierung, also der
vollständigen Entfaltung der nach dem liberalen Politikmodell EIGENTLICHEN,
der KERNFUNKTION des Staates: des juristischen, POLIZEILICHEN wie MILITÄRISCHEN
SCHUTZES KAPITALISTISCHEN PRIVATEIGENTUMS. Die wachsenden innerstaatlichen wie
weltweiten Horden der Verarmten und Deklassierten müssen in Schach gehalten
werden. Die Wohnquartiere, Stadteile oder Einkaufszentren der Reichen müssen
geschützt werden vor dem anwachsenden Lumpenproletariat, vor lästigen Bettlern,
Junkies und Kleinkriminellen durch (noch) staatliche Polizei oder besser
gleich private, wiederum profit- orientiert arbeitende Sicherheitskräfte
(schwarze Sheriffs). Via Schließung von öffentlichen Bücherhallen oder durch
Studiengebühren von höherer Bildung ferngehaltene, durch immer längere
leistungsinten- sivierte Arbeitstage ermüdete und durch privatkapitalistisch
organisierte Medien indoktrinierte und markt- konform gleichgeschaltete Massen
ergeben sich ihrem Schicksal oder schmecken, im Falle des Auf- müpfigwerdens,
das gesamte, rapide wuchernde Arsenal staatlicher Unterdrückung und Überwachung
(Ausbau von Polizei, Sondereinsatzkommandos und Geheimdiensten, Verschärfung
des Strafrechts, großer Lauschangriff, Rasterfandung, flächendeckende Video-
und Satelliten-Überwachung, Anlegung von DNA-Karteien, Anwendung anderer
biometrischer Überwachungs- und Identifikationssysteme etc. pp.). Die
Aushöhlung demokratischer Substanz durch die alles erdrückende NORMATIVE KRAFT
DES FAKTISCHEN, sprich: die ins Unermessliche wachsende weltweite MACHT DES
KAPITALS lässt Staats- und Parteifunktionäre nur noch als kapitalhörige
Claqueure und Wasserträger erscheinen. Den kapitalistischen 'Sachzwängen', also
dem globalen, alle sozialen Errungenschaften niedermachenden Konkurrenzdruck
und Standortwettbewerb ausgeliefert und der privatkapitalistischmedialen
Gehirn- wäsche des neoliberalen Zeitgeistes ausgesetzt, bleiben im KLASSISCHEN
LIBERALEN Politikmodell Staatsfunktionäre und Politiker, die im kernfunktional
reduzierten Staat agieren, zumindest noch formal demokratisch legitimiert. Im
NEOLIBERALEN Politikmodell werden selbst noch diese staatlichen Kern-
funktionen privatisiert und Gewinn maximierender Kapitalverwertung unterworfen:
privatwirtschaftlich finanzierter Bau und Unterhalt von Gefängnissen, massiver
Ausbau privater Sicherheits- und Über- wachungsunternehmen und inzwischen sogar
privatkapitalistischer MILITÄRISCHER Sicherheits- apparate zu Diensten JEDER
formaldemokratischen oder offen diktatorischen oder eben auch nur groß-
kapitalistischen Macht (etwa als ,Werkschutz' von Ölkonzernen in Ländern der so
genannten Dritten Welt), wenn nur das nötige Kleingeld fließt. Lesen wir zum
letzten Punkt ein längeres erschreckendes Zitat aus dem Beitrag eines Autors,
der zu diesem Thema seit längerer Zeit forscht: ,,Erst der Irakkrieg führte
einer breiteren Öffentlichkeit vor Augen, dass sich im Söldnertum ein radikaler
Wandel vollzogen hat... Der Boom der ,privaten Militärfirmen' (PMF) begann
(nach dem Ende des Kalten Krieges 1989 ff.; E.S.)... Die Nachfrage ist riesig,
die Auftragslage gut, der Erfolg beeindruckend. Die neue Branche ex- pandierte
in atemberaubendem Tempo. Umgeben von smarten Geschäftsleuten gelang in
kürzester Zeit mühelos der Sprung an die Börse. Die Zeit, in der
Sicherheitsfirmen im 'Halbdunkel' operieren mussten, war vorbei. Nun schlossen
sie Verträge mit Staaten, Regierungen, Hilfs- und Friedensorganisationen, sogar
mit der UNO... In wenig mehr als einem Jahrzehnt haben sich auf diese Weise
weitgehend un- bemerkt Hunderte von Söldnerfirmen herausgebildet. Dieses neue
Dienstleistungsuniversum ist wahr- scheinlich noch diversifizierter und
spezialisierter als die Konsumgüterbranche: vom Catering bis zu
Panzereinsätzen, vom Luxuslogis bis zu Kampfpiloten, von der
Anti-Terrorausbildung bis zur Buch- haltungs-IT und von der Drogenbekämpfung
bis zur Hypothekenverwaltung... Die PMF sind vor allem in den hoch
industrialisierten Ländern beheimatet... Ihr Personal wird weltweit auf über
eine halbe Million geschätzt. Es ist gegenwärtig die Wirtschaftsbranche mit den
Höchsten Wachstumsraten; ihre Aktien- kurse klettern mindestens doppelt so
schnell wie die übrigen Werte im Dow Jones oder Dax. Ihr Umsatz liegt
zurzeit bei ungefähr 200 Mrd. Euro (das ist etwa das ACHTFACHE des gesamten
Rüstungsetats der BRD! E.S.). Die größten der Firmen findet man unter den
ersten hundert der am höchsten dotierten Aktiengesellschaften... Einige
verfügen über mehr Generäle im Aufsichtsrat als in den Armeen ihrer je-
weiligen Länder... Die Bilanz ist deprimierend: Die von der Politik
angekündigten positiven Effekte durch die Privatisierung (d.h.
Kosteneinsparungen; E.S.) haben sich nur in den Bilanzen der PMF Gewinn-
bringend niedergeschlagen; die negativen Aspekte sind dagegen Legion und für
die betroffenen Bevölkerungen schmerzlich spürbar. Wo die ,neuen Söldner'
auftauchen ob in Lateinamerika oder im Nahen Osten, in Südostasien oder in
Afrika wachsen Instabilität und Chaos, blüht der illegale Waffen- und
Drogenhandel, bilden sich informelle Netzwerke zwischen Militär und
Kriminalität, vermehrt sich der Terror gegen die Zivilbevölkerung und steigt
die Ausbeutung der betroffenen Länder, ihrer Ressourcen und Arbeitskräfte.
Indem staatliche Souveränität immer mehr erodiert und gleichzeitig die Grenze
zwischen zivilem und militärischem Sektor immer diffuser wird, rückt auch der
Aufbau einer Zivil- gesellschaft, die ihren Namen tatsächlich verdient, in
immer weitere Ferne. Die Militarisierung der Gesellschaften schreitet dagegen
immer mehr voran. Mit dem Outsourcing von Kernbereichen ihres Gewaltmonopols an
PMF geben Regierungen immer größere Teile ihrer Kompetenz aus den Händen. Die
Konsequenzen sind verheerend: Mangelnde Transparenz und Kontrolle sowie
unzureichende Verant- wortlichkeit führen zu unklaren Entscheidungsstrukturen
und ungenügender Zurechenbarkeit. Die Folge ist, dass das militärische Handeln
in einem faktisch immer größer werdenden rechtsfreien Raum statt- findet... Man
führe sich exemplarisch nur die mediale Berichterstattung über den Irakkrieg
vor Augen: Im Zusammenhang mit den Folterskandalen wurden zwar reguläre
US-Soldaten der Öffentlichkeit vor- geführt, doch von PMF und ihren Söldnern
war kaum die Rede. Von den Folterern aus den PMF, die zum großen Teil für die
Menschenrechtsverletzungen verantwortlich waren, ist bis heute keiner per-
sönlich belangt oder auch nur bekannt geworden. Dadurch fällt eine wirksame
Kontrolle der PMF fast vollständig aus... Wenn aber, wie geschehen, PMF in
ihren Einsatzgebieten Kinderbordelle errichten, ,versehentlich'
Rote-Kreuz-Einrichtungen bombardieren, paramilitärischen Todesschwadronen zur
Hand gehen und oppositionelle Bevölkerungskreise terrorisieren und foltern,
stell sich die drängende Frage, wem diese Handlungen zugerechnet werden
können... Mangels Transparenz und Kontrolle werden Parlament und Regierungen
schleichend entmachtet..."
So sieht sie aus, die schöne neue Welt des Neoliberalismus, die
unumschränkte Herrschaft des globali- sierten vollkommenen Marktes und
Kapitals! AUTORITÄRER MILITÄRKAPITALISMUS als Endstadium der hemmungslosen
Entfaltung des (NEO-)LIBERALEN! Denn wenn selbst noch die klassisch-liberalen
staatlichen Kernfunktionen im Zuge der Privatisierung des Sicherheits- und
Militärapparates demokratischer Kontrolle entzogen werden, was bleibt dann noch
übrig vom Staate als zumindest im liberalen Politikmodell DER Institution
zumindest formaler Demokratie? Was bleibt übrig vom Staate, wenn auch Autobahn-
oder Brückenbau und die gesamte Verkehrs- und Informationsinfrastruktur privat-
wirtschaftlich organisiert werden wie geplant und forciert; wenn sich der
Staat mehr und mehr aus der Finanzierung und Unterstützung von Kunst und Kultur
zurückzieht (Streichung der Zuschüsse zu Theatern, Orchestern, Bibliotheken
etc.); wenn auch noch Bildung, Wissenschaft und Universitäten mehr und mehr
privatisiert werden, wie gefordert und mehr und mehr praktiziert (Einführung
von Studien- gebühren, Privatuniversitäten und -schulen etc.)? Und welche
möglichen GESELLSCHAFTLICHEN Träger demokratischen Denkens und politischer
Freiheit werden sich noch entfalten und Kritik, Protest und Widerstand
entwickeln können, wenn immer mehr Menschen immer intensiver und immer länger
werden arbeiten müssen, also individuell immer weniger Zeit und Muße
dazu haben oder auch nur Gelegenheiten und Möglichkeiten
sozialen Austauschs aufgrund geschlossener öffentlicher Bücher-
hallen, Schwimmbäder oder Stadtteilzentren, durchrationalisierter universitärer
Lehrpläne im nur noch wirtschaftsorientierten Schmalspurstudium oder des im
monadischen Fernseh- oder Kinosessel statt- findenden Konsums
durchkommerzialisierter, geisttötender Massenkultur? Wer wird sich noch der
totalen medialen neoliberalen Gleichschaltung der Hirne entziehen können
jenseits esoterischer, religiös-fundamentalistischer und also mindestens ebenso
freiheitsfeindlicher Fluchträume von der Flucht in Drogenkonsum oder der
subjektiven Immigration in psychischen Wahn erst gar nicht zu sprechen? Die
Entwicklung unsere Gesellschaften zu entdemokratisierten, entstaatlichten,
rechtsfreien, asozialisierten, akulturellen und zivilisationsfreien
Herrschaftsgebieten militärkapitalistischer Herrschaftscliquen und -banden
(derweil noch Konzernleitungen genannt) ist in vollem Gange. Am Horizont
erscheint die hässliche Fratze der totalen Diktatur des Kapitals als finales
Antlitz einer voll- kommen dehumanisierten historischen Endzeit.
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