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Privatisierung, multinationale Konzerne und Demokratie
Asbjørn Wahl, ATTAC Norwegen. Ansprache vor einer alternativen "Konferenz der Menschen" ASEM4People, in Kopenhagen, von 20. bis 22. September 2002, anlässlich des Gipfels des Asien-Europa Treffens (ASEM).
Während der letzten zwei Jahrzehnte haben die Privatisierung und die öffentliche Ausschreibung öffentlicher Dienstleitungen unter dem Druck starker wirtschaftlicher Interessengruppen und der neoliberalen Offensive mehr und mehr um sich gegriffen. Öffentliches Vermögen wurde in großem Stil in private Hände übertragen. Multinationale Unternehmen haben nicht nur geografisch expandiert, sie haben auch durch die Übernahme öffentlicher Dienste neue Märkte erschlossen. Der Anteil der Volkswirtschaft, der im letzten Jahrhundert den Markteinflüssen entzogen war und demokratisch kontrolliert wurde, wird immer kleiner und unbedeutender, zum Nutzen großer Konzerne.
Privatisierung in der Europäischen Union.
Nach Angaben der OECD wurde im Jahr 1997 Vermögen im Wert von 150
Milliarden US$ von der öffentlichen in die private Hand transferiert, ein
Anstieg von 50% gegenüber dem Vorjahr. 1998 wurde ein neuer Welt-rekord
aufgestellt: Mit dem Ende dieses Jahres war der Anteil des privatisierten
Vermögens in Europa bereits mehr als die Hälfte des weltweit privatisierten
Vermögens.
Die Europäische Stiftung zur Verbesserung der Lebens- und
Arbeitsbedingungen (die so genannte Dublin Stiftung, eine
Forschungseinrichtung des Rates der EU) macht zwei Hauptfaktoren für die
zunehmende Privatisierung innerhalb der EU währen der letzten 15 Jahre
verantwortlich. Einerseits war es der einheitliche Markt mit seinen
Direktiven zur Deregulierung, die seit 1986 erlassen werden. Daraus
entstanden ein institutioneller Rahmen und das politische Ziel der
Privatisierung. Anderseits bewirkte der Maastricht-Vertrag von 1992 mit
seinen Konvergenzkriterien in den Mitgliedsstaaten einen starken Druck in
Richtung Privatisierung. Damit sollten diese Kriterien, ein Budgetdefizit
von maximal 3% des Brutto-Inlands-Produkts und Staatsschulden von maximal
60% des BIP, leichter erreicht werden.
So wurden die Marktliberalisierung und die Finanzengpässe benützt, um die
Mitgliedsstaaten zu Privatisierungen zu zwingen.
Großbritannien spielte unter der Regierung Thatcher eine führende Rolle in
der weltweiten neoliberalen "Revolution". Großbritannien war führend in der
Deregulierung und Privatisierung in Europa. Zuerst wurden verstaatlichte
Produktionsbetriebe privatisiert, dann die Telekommunikation (1984), das
öffentliche Autobussystem (1985), die Gasversorgung (1986), Wasser- und
Stromversorgung (1990), die Eisenbahnen (1996) und dann die Atomkraftwerke
(1997). Tony Blairs New Labour (mit der alten Politik) setzte diese
Strategie fort. Zugleich mit der Privatisierung wurden zahlreiche Gesetze
und Verordnungen aufgehoben. Heute sind kaum mehr öffentliche Dienste
übrig, die noch privatisiert werden könnten.
Weite Bereiche des Gesundheitswesens und viele soziale Einrichtungen wurden
privatisiert. Sogar Gefängnisse wurden privatisiert. In den Gemeinden wurde
mehr als die Hälfte aller niedrigen Arbeiten von privaten Gesellschaften
übernommen.
Drei Phasen, drei Schritte
Typisch erfolgt die Privatisierung des öffentlichen Vermögens in drei
Phasen und durchläuft drei Schritte. In der ersten Phase werden die
verstaatlichten Produktionsbetriebe, Banken und Versicherungen
privatisiert. Diese standen ja schon bisher im Wettbewerb auf den Märkten.
Die Begründungen für ein Staatseigentum an diesen Branchen ließen sich nach
einer politischen Wende von staatlicher Intervention zur
Marktliberalisierung nicht mehr aufrecht halten.
In der zweiten Phase werden die Versorgungs-einrichtungen, der Kern der
Infrastruktur, privatisiert. Dazu gehören Energie-, Wasserversorgung,
Telekommu-nikation, Post und Eisenbahn. Viele Länder der EU befinden sich
derzeit in dieser Phase. Die Privatisierung dieser Bereiche führt zu
hitzigeren Debatten, besonders zwischen Gewerkschaften und Regierungen,
mehr als die Privatisierung der Produktionsbetriebe. Diese Politik wurde
von allen Regierungen verfolgt, gleich ob rechtsgerichtet, konservativ,
zentristisch oder sozialdemokratisch. Daher waren die Gewerkschaften und
andere soziale Bewegungen immer in der Defensive.
Die dritte Phase der Privatisierung hat in Westeuropa eben erst begonnen.
Betroffen davon sind Bereiche wie Gesundheitsdienste, Schulen, soziale
Dienste, Pensionskassen und ähnliche. Diese letzten Reste des
Wohlfahrtsstaates werden nun von privaten Interessen und Regierungen aufs
Korn genommen. Bei diesem Vorgang spielt die Europäische Union eine
Schlüsselrolle. Sie fordert die Harmonisierung sozialer Einrichtungen und
beruflicher Qualifikationen, um den freien Zugang zu den nationalen
Arbeitsmärkten zu erleichtern und die Flexibilität der Arbeitnehmer zu
erhöhen. Diese Argumente werden als Begründungen für eine weitere
Deregulierung und in der Folge einer Privatisierung der noch verbleibenden
öffentlichen Dienste angeführt.
Parallel zu diesen drei Phasen der Privatisierung werden kommunale Dienste
so weit als möglich durch öffentliche Ausschreibung an Privatunternehmen
vergeben.
Die drei Schritte zur Privatisierung betreffen besonders die öffentlichen
Versorgungseinrichtungen. Als erster Schritt wird der entsprechende Markt
dereguliert. (Jede Privatisierung beginnt mit der Liberalisierung und
Deregulierung des Markts.) In einem zweiten Schritt werden die
gemeinwirtschaftlichen Betriebe in öffentlich rechtliche
Kapitalgesellschaften umgewandelt. Im dritten und letzten Schritt verkauft
die öffentliche Hand ihre Anteile an private Interessenten.
In den meisten Ländern kann man beobachten, dass die Regierungen versuchen,
vor jedem weiteren Schritt die Gewerkschaften zu beruhigen. Sie
versprechen: "Diesen Schritt müssen wir noch machen, aber dann ist
Schluss". Das trifft ganz besonders auf sozialdemokratische Regie-rungen
zu. Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass diese Versprechungen höchstens
einige wenige Jahre halten.
Die Rolle der multinationalen Konzerne
Eines der auffälligsten Merkmale der Entwicklung der europäischen als
auch der Weltwirtschaft ist die enorme Konzentration von Wirtschaftsmacht
und Kapital in den Händen multinationaler Konzerne. Mit atemberaubender
Geschwindigkeit übernehmen diese Konzerne die Kontrolle über einen ständig
wachsenden Anteil der Weltwirtschaft. Durch die Welle von Mega-Fusionen,
die derzeit über alle Kontinente schwappt, entstehen immer gigantischere
Gesellschaften. Im Zuge der Privatisie-rungsbestrebungen übernehmen sie
immer größere Anteile an öffentlichen Diensten in allen Ecken der Welt.
Einige der am raschesten wachsenden Konzerne, viele davon europäisch, haben
sich spezialisiert auf die Übernahme öffentlicher Dienste und sichern so
ihr Wachstum. In den Bereichen, wo öffentliche Ausschreibungen die Märkte
für global players öffnen, ist das besonders auffällig.
Als die schwedische Linjebus vor einigen Jahren eine norwegische
Autobusgesellschaft und auch noch einige Beteiligungen an öffentlichen
Verkehrsmitteln übernahm, als British Onyx Co. die größte norwegische
Abfallbehandlungsfirma erwarb und als Danish Krüger Co. den Versuch
unternahm, eine Trinkwasser-Versorgungs-Gesellschaft zu kaufen, war uns
allen noch nicht klar, dass alle diese Firmen Töchter ein und desselben
multinationalen Riesenkonglomerates, der französischen Vivendi sind.
Vivendi ist die größte Privatfirma Frankreichs. Einige Teile der
Gesellschaft sind spezialisiert auf die Übernahme öffentlicher Dienste in
vielen Branchen und in allen Teilen der Welt. Vivendi bildet Kartelle und
fusioniert, um den Wettbewerb weltweit zu behindern. Vivendi ist ein
riesiger Wasser- und Energieversorger mit Aktivitäten in Europa, Nord- und
Südamerika, in Asien und Australien. Das Unternehmen wuchs aus dem Nichts
zum größten öffentlichen Verkehrsunternehmen in Europa. Es dominiert auch
den Markt für Abfallbehandlung, die Baubranche und seit neuestem auch
Telekommunikation und Unterhaltungsmedien. Die Firma kontrolliert auch das
größte Bildungsinstitut Frankreichs, Educinvest, mit 250 Schulen. Vivendi
beschäftigt ca. 340 000 Mitarbeiter. Die Gesellschaft wuchs ins
Gigantische während der letzten 15 Jahre, -bis die aggressive
Einkaufsstrategie mittels hoher Verschuldung an der letzten Börsenbaisse
scheiterte.
In vielen Branchen teilen sich große Konzerne heimlich den Markt
untereinander. Ein gutes Beispiel ist die Trinkwasserversorgung.
Suez-Lyonnaise und Vivendi, die beiden französischen Gesellschaften
dominieren den Weltmarkt. Sie stehen im Wettbewerb mit vier anderen: SAUR,
Anglian Water, Thames Water/RWE und International Water (Durch Fusionen
sind es heute nicht mehr neun, wie vor einigen Jahren). Dennoch arbeiten
diese sechs Gesellschaften häufig zusammen, sowohl offen als auch heimlich.
Wenn die Trinkwasser-versorgung einer großen Stadt ausgeschrieben wird,
bilden zwei oder drei dieser Gesellschaften eine gemeinsame Tochterfirma,
um das ganze Trinkwassernetz zu übernehmen. Von Stadt zu Stadt werden
verschiedene Allianzen gebildet. Es ist kaum vorstellbar, aber in der einen
Stadt herrscht erbitterter Wettbewerb, während man in einer anderen
zusammen arbeitet.
Ähnliches beobachten wir bei der Abfallsammlung und -Behandlung. Vier
Konzerne beherrschen sowohl den europäischen als auch den Weltmarkt: Sita,
Onyx, RWE and Rethman. Die ersten beiden sind Töchter von Suez-Lyonnaise
bzw. Vivendi. Vor fünf Jahren gab es noch vier zusätzliche ernst zu
nehmende globale Mitbewerber: Fabricom, FCC, WMI und BFI. Sie alle wurden
von den vier Giganten geschluckt, vor allem von Sita and Onyx.
Die gleiche Entwicklung beobachten wir am Energiesektor. In Europa gibt es
deutliche Anzeichen dafür, dass binnen weniger Jahre nur mehr fünf oder
sechs Energieversorger übrig bleiben werden. Die deutsche RWE wird sicher
einer davon sein, ein anderer könnte Tractebel sein, eine Tochterfirma von
Suez-Lyonnaise. Als dritte im Bunde könnte eine Gesellschaft auftreten, die
derzeit in Zusammenarbeit zwischen EDF (Energie de France, dem
französischen Staatsmonopolisten) und Vivendi gebildet werden soll. Das
Ziel dieser Zusammenarbeit soll der Erwerb von Energiegesell-schaften und
Beteiligungen außerhalb Frankreichs sein.
Eine der Strategien der riesigen Multinationalen ist, die Mitbewerber zu
unterbieten. Es werden Angebote abge-geben, die nicht einmal die
Selbstkosten des ausgeschrie-benen Dienstes decken. Damit werden die
Mitbewerber abgedrängt. Die Berechnungen laufen darauf hinaus, in Zukunft
eine Monopolstellung zu erwerben und dann die Preise und damit die Gewinne
steigern zu können.
Das Verhalten von Onyx in Großbritannien, Mitte der 90er Jahre, illustriert
dieses Phänomen. Onyx gewann eine Reihe von Kontrakten zur
Abfallbeseitigung in Südengland, überall wurde ein enormes Defizit
erwirtschaftet. Onyx ging allerdings dabei nicht bankrott, wie jede andere
Firma in einer solchen Lage. Jedes Jahr flatterte ein Scheck von der
Muttergesellschaft aus Frankreich ins Haus. (Damals war das Générale des
Eaux,heute Vivendi.) Jedermann wusste, was gespielt wurde: Onyx hat die
Mitbewerber unterboten. Bald darauf kaufte Onyx einfach den stärksten
britischen Mitbewerber, um den Wettbewerb noch weiter einzuschränken.
Kurz, das Ergebnis des Systems der öffentlichen Ausschreibungen ist nicht
eine Stärkung des Wettbewerbs, sondern eine Stärkung der Monopole. Eine
Untersuchung in Großbritannien Mitte der 90er Jahre enthüllte, mehr als 60%
aller ausgeschriebenen Verträge über Abfallbehandlung wurden mit fünf
Gesellschaften geschlossen. Heute sind es noch weniger. Die gleiche
Untersuchung ergab ein ähnliches Verhältnis für die Hauskrankenpflege,
nämlich 65%.
Seit in Schweden Anfang der 90er Jahre das öffentliche Verkehrswesen
öffentlich ausgeschrieben wurde, brauchte es nur fünf bis sechs Jahre, bis
von 250 bis 300 Bus-Unternehmen nur mehr drei übrig waren, die mehr als
zwei Drittel des Marktes kontrollierten. Zwei dieser Gesellschaften, Swebus
and Linjebus (heute Connex), wurden von multinationalen Gesellschaften
übernommen.
Das sind keine Ausnahmen. Hier wird deutlich, was passiert, wenn ein
öffentlicher Sektor öffentlich ausgeschrieben wird. Es geschah und
geschieht immer wieder in jedem Land. Die einzigen, die das alles nicht
wahrzunehmen scheinen, sind die Befürworter der Privatisierung und der
öffentlichen Ausschreibung. Sie leugnen hartnäckig, dass dieser wohl
dokumentierte Vorgang tatsächlich stattfindet. Schlimme Erfahrungen - es
gibt deren viele - scheinen keinen Einfluss auf ihre Politik und ihre
Entscheidungen zu haben.
Der neueste Angriff.
Zum Schluss möchte ich die Aufmerksamkeit auf den jüngsten Angriff auf
öffentliche Dienste in der EU lenken. Vor circa zwei Jahren legte die EU
Kommission einen Vorschlag für eine Verordnung über Anforderungen des
öffentlichen Dienstes und der Vergabe öffentlicher Diens-tleistungsaufträge
für den Personenverkehr auf der Schiene, der Straße und auf
Binnenschifffahrtswegen vor. Diese Verordnung fordert eine Politik der
verpflichtenden öffentlichen Ausschreibung zur Vergabe öffentlicher
Ver-kehrsdienste (Bulletin EU 7/8-2000 Verkehr (1/15) -
http://europa.eu.int/abc/doc/off/bull/de/200007/p104046.htm).
Das ist eine dramatische Wende der EU Politik, da hiermit das
Subsidiaritätsprinzip verletzt wird. Danach sollten die Entscheidungen auf
der möglichst niedrigen Ebene von denen getroffen werden, die direkt
betroffen sind. Die lokale Demokratie ist dadurch ernsthaft bedroht.
Nationale, regionale und lokale Körperschaften werden daran gehindert,
alternative Systeme zur Verbesserung der öffentlichen Verkehrsmittel zu
entwickeln. Das wird weitere Privatisierungen nach sich ziehen und damit
wird die Entscheidungsgewalt von demokratisch gewählten Amtsträgern zu den
Marktkräften und den multinationalen Konzernen verschoben.
Die europäische Kommission begründet die "Notwendigkeit" verpflichtender
Ausschreibungen für den öffentlichen Verkehr mit Argumenten, die irgendwann
auf alle öffentliche Dienste angewendet werden können, die zumindest in
einigen EU Staaten, dem Wettbewerb der multinationalen Konzerne geöffnet
wurden. Das trifft derzeit auf fast alle öffentlichen Dienste zu. Sollte
der Vorschlag der EU Kommission angenommen werden, alle öffentlichen
Verkehrsdienste öffentlich auszuschreiben, ist mit dem gleichen Angriff auf
andere öffentliche Dienste zu rechnen. Dienste wie Trinkwasser-, Gas-,
Stromversorgung, Abfallwirtschaft, Gesundheits- und soziale Dienste,
Schulen, Universitäten usw. würden in der Privatisierungsfalle enden.
Heute wird der öffentliche Verkehr von den Mitglieds-ländern und den
lokalen Behörden auf unterschiedliche Art organisiert. Mit der
verpflichtenden öffentlichen Ausschreibung verlieren die regionalen und
lokalen Behörden das Recht, den öffentlichen Verkehr selbst zu
organisieren. Sie werden Opfer der Privatisierungspolitik. Es ist kein
Geheimnis, dass die EU Kommission seit langem mit Ungeduld und Irritation
den ihrer Ansicht nach zu langsamen Fortschritt der Privatisierung
beobachtet. Der Widerstand kommt vornehmlich von lokalen Politikern, die in
einer größeren Nähe zu ihren Wählern leben und deren Abneigung gegen die
Privatisierung zu spüren bekommen.
Bisher wurde die verpflichtende öffentliche Ausschreibung öffentlicher
Dienste nur in Großbritannien unter der Herrschaft von Margaret Thatcher
und John Major betrieben. Unter ihrer Regierung beschloss das britische
Parlament die verpflichtende öffentliche Ausschreibung kommunaler Dienste,
zuerst für einfache Arbeiten(blue-collar work) , später für leitende
Tätigkeiten (white-collar work). Sogar frühere Unterstützer der
öffentlichen Ausschreibung gaben zu, dass diese Politik nicht die
gewünschten Erfolge zeitigte. Nach der Wahlniederlage der Konservativen im
Jahr 1966 wurde diese Politik beendet. Nun will die europäische Kommission
denselben Fehler wiederholen.
Die Vorlage befindet sich derzeit im sehr komplexen
Entscheidungsfindungsprozess zwischen EU Parlament und EU Kommission. In
einigen Ländern gibt es massive Opposition, aber die lokalen Politiker
wissen sehr wenig über den Kommissionsvorschlag. Aber selbst bei
denjenigen, die informiert sind, wird die Gefahr dieser
Privatisierungsfalle, die dieser Vorschlag für alle öffentlichen Dienste
birgt, nicht gesehen.
Widerstand ist angesagt
Es ist sehr wichtig, Vorlagen der europäischen Kommission wie diese zu
stoppen. Wir müssen daher den Widerstand dagegen organisieren,
Gewerkschaften und andere soziale Bewegungen, lokale Politiker und
Stadtverwaltungen alarmieren, damit sie Druck auf die nationalen
Regierungen ausüben. Nationale Regierungen neigen dazu, keine Verantwortung
für die Politik der EU zu übernehmen. Dennoch, die endgültigen
Entscheidun-gen auf der EU Ebene werden vom Ministerrat getroffen und der
besteht aus Repräsentanten aller nationalen Regierungen. Wir müssen ihnen
die Verantwortung für die neoliberale Politik klar machen, die sie
verfolgen, unabhängig von der politischen Farbe ihrer Regierungen. Auf
längere Sicht, müssen wir breite nationale Allianzen gegen diese Politik
schmieden. In Norwegen haben wir die Kampagne für den Wohlfahrtsstaat
gegründet. Sie umfasst Gewerkschaften des öffentlichen und privaten
Sektors, Organisationen von Frauen, Studenten, Rentnern, Kleinbauern
Wohlfahrtsempfängern usw. Noch haben wir keine breite populäre Bewegung,
aber wir haben eine politische, soziale und organisatorische Infrastruktur
geschaffen. Sie soll die Basis für eine breite Allianz bilden, mit der wir
die Politik der Privatisierung stoppen und eine andere Welt möglich
machen.
In seinem Buch, "Öffentliche Dienste oder Wohlfahrt für die Konzerne"
schreibt der britische Experte Dexter Whitfield: "Privatisierung enteignet
nicht nur die öffentliche Hand. Es handelt sich vielmehr um eine Strategie,
den Wohlfahrtstaat und die öffentlichen Dienste umzugestalten zu Gunsten
der Interessen des Großkapitals."
Gut gebrüllt! Organisieren wir den Kampf: Menschen gegen die Machtübernahme
des Großkapitals über den Wohlfahrtstaat!
Fragen und Anregungen zu diesem Artikel an:
asbjorn.wahl@velferdsstaten.no
Übersetzer: Herbert Kaser, coorditrad@attac.org, freiwillige Übersetzer
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